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Kultur Schweißtreibende Glanzleistungen
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20:21 26.06.2019
Von Sabine Tholund
Akrobatische Sprung-Kunst in prächtigen Kostümen: Shizuru Kato. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Zusammen mit seiner Frau, Ballettmeisterin Heather Jurgensen, hat Ivanenko erneut einen facettenreichen Abend mit interessanten Gästen auf die Beine gestellt hat. Bei Treibhaustemperaturen floss im Opernhaus der Schweiß in Strömen – nicht nur bei den durchweg großartig agierenden Tänzerinnen und Tänzern.

Romantischer Klassiker zur Einstimmung

Launig anmoderiert Christian Richard Bauer, Schauspieler und Sänger aus Hamburg, standen insgesamt 13 Tanz-Stücke auf dem Programm. Mit dem Marsch aus Tschaikowskis "Dornröschen" gönnte Ivanenko dem Publikum zum Auftakt einen romantischen Klassiker, angelehnt an die Choreografie von Marius Petipa – ein Fest für Freunde von Pirouetten, Spitzentanz und kraftvollen Sprüngen. Nicht minder dem klassischen Ballett verbunden, zeigten die Kieler später den clownesk überzeichneten Pas des Trois aus "Die Puppenfee", entstanden in Zusammenarbeit mit Gastchoreograf Evgenii Neff. Der wirkte auch an dem eigens für die Gala erarbeiteten ukrainischen Volkstanz "Gopak" mit. In dem knackig-kurzen Stück aus Mykola Lyssenkos Oper "Taras Bulba" begeisterten Shizuru Kato und Rauan Orazbayev in prächtigen Kostümen mit einem Wettkampf akrobatischer Sprung-Kunst.

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Wippende Tutus zu Jacques Brel

Im Zeichen wippender Tutus und dynamischer Sprungkombinationen standen auch die beiden Auftritte des Essener Aalto Balletts, darunter ein fröhlich leichter, verliebt-verspielter Pas de deux im neo-klassischen Gewand zu Jacques Brels "Quand on n’a que l'amour".

Bewegungsfreude pur und sportliche Höchstleistung

Erfrischend durchmischt waren die traditionell geprägten Choreografien mit eindrucksvollen Beispielen modernen Tanztheaters. Eine Frau zwischen zwei Männern? Kein problembeladenes Thema für Choreograf Tim Rushton. Bewegungsfreude pur gemischt mit sportlicher Höchstleistung präsentierten die drei Tänzer vom Tivoli Ballet Theatre Kopenhagen – charmantes Schmachten und kokettes Po-Wackeln inklusive. Spannend wie ein Krimi ist das Duett von Tyrel Larson und Katherina Nakui vom Mainfranken Theater Würzburg. Ruppig wirkt ihr Zweikampf aus Zusammenstößen und Beinahe-Berührungen, ein Kräftemessen zwischen Anziehung und maximaler Abstoßung, das ohne erkennbaren Sieger bleibt (Choreografie: Dominique Dumais).

Explosive emotionale Mischung

Fast gewalttätig erscheint das Aufeinandertreffen von Catherine Franco und Denis Piza (Staatsoper Hannover). Im Halbdunkel zauberte das Paar in "Strictly Tango" (Choreografie: Jörg Mannes) ein explosives emotionales Gemisch aus Verlangen, Einsamkeit und Eifersucht auf die Bühne. Ausdrucksstark ist auch ihr zweite Stück, Schubert, dessen zerquälter Protagonist im lustvollen Widerstreit mit seiner Muse steht.

Neugierig machen aufs Ballett

„Wir wollen Sie mit dieser Gala auf unsere Kunst neugierig machen“, hatte Yvanenko zur Begrüßung gesagt. Das dürfte gelungen sein. Nicht zuletzt auch dank der so humorvollen wie eindringlichen Choreografie "Otherings" von Rita Winder (Ballett Kiel), bereoits vorstellte in der Reihe "Junge Choreograpfen". Auch die Kostproben aus der großartigen Kieler Produktion Creations, die heute zum letzten Mal vor der Sommerpause gezeigt wird, machten Lust auf mehr Ballett in der neuen Spielzeit.

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