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Kultur Raritäten in Clubformat
Nachrichten Kultur Raritäten in Clubformat
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11:20 28.03.2014
Von Jörg Meyer
Erstmals lockt das kleine Festival Kultur-Rausch erst im April in die teilnehmenden Clubs. Quelle: Kulturrausch
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Kiel

Zehn der mutigen 15 präsentieren sich schon bei der eröffnenden „Nacht der Clubs“ am Sonnabend, 5. April. Wie gewöhnlich kann man dann für acht Euro einmal bezahlten Eintritt (Shuttle-Bus inklusive) zwischen den Clubs „hoppen“.

 Die Nacht der Clubs soll Appetit machen. Etwa auf Gu (6.4., 20.30 Uhr, Exlex), der in seinem neuen Buch 375 Sätze für jede Gelegenheit zusammengestellt hat. Eigentlich als Musiker und DJ unterwegs wechselt der Autor bei seinen Auftritten locker zwischen Slam Poetry, Kabarett und Wort- und Gedankenspielen, die elegant um die Ecken und Kanten des Buches denken. Das Um-die-Ecke-Denken lernte Anja Röhl (7.4., 19 Uhr, Literaturhaus) weniger von ihrem Vater Klaus Rainer, sondern von dessen Frau Ulrike Meinhof. In ihrem autobiografischen Roman Die Frau meines Vaters berichtet sie über die streitbare Journalistin und RAF-Mitglied und die bewegten 60er und 70er Jahre mit ihren gesellschaftlichen Umbrüchen. Eine nicht minder mutige Frau ist Esther Bejarano, eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters im KZ Auschwitz. Zusammen mit der Microphone Mafia veröffentlichte sie 2009 ein Album, auf dem ihre Lieder von Hip-Hop-Beats unterlegt und um gerappte Texte ergänzt wurden. 2013 erschien das Nachfolgealbum La Vita Continua, mit dem sie und die Band am 12.4., 18 Uhr in der Hansa48 zu Gast sind.

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 Ungewöhnliche Frauen zum dritten und vierten: Die TV-Moderatorin Katrin Bauerfeind (17.4., 20 Uhr, Studio Filmtheater) interviewt nicht mehr nur Popliteraten, sondern ist selbst eine geworden. In ihrem druckfrischen Band Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag erzählt sie „Geschichten vom schönen Scheitern“ – an Männern, an der Karriere, einfach nur am morgendlichen Aufstehen und an anderen „großen und mittelgroßen Fragen des Lebens“. Sarah Lee Guthrie (29.4., 20 Uhr, Kulturforum) steht auf den Schultern zweier Folk-Giganten, denen ihres Großvaters Woody und ihres Vaters Arlo Guthrie. Dass man nicht im Schatten solcher Vorfahren, sondern eben auf ihren Schultern steht, wusste der Autor Thomas Steinbeck, der Vater von Johnny Iron, mit dem Sarah Lee verheiratet ist und seit gut einem Jahrzehnt mit Programmen tourt, die das soziale und politische Engagement der Väter und Großväter mit heutiger Musiksprache verbinden.

 Auf den Schultern eines Giganten steht auch The King (11.4., 21 Uhr, Räucherei). Der irische Postbote gilt als einer der authentischsten Elvis Presley Cover, ist aber genauso zuhause in den Songkosmen anderer verstorbener Rockstars wie John Lennon, Jimmi Hendrix, Kurt Cobain oder Freddie Mercury. Nach siebenjähriger Pause ist er nun wieder auf Tour – mit Band und seinem neuesten Album Return To Gravelands. (Pop-) Traditionen neu formuliert auch Andy Frasco (10.4., 21 Uhr, Schaubude) bei seinem „Party-Blues mit einem Hauch von Barfuß-Boogie“. Wenn er in der einen Hand einen Bierbecher schwenkend mit der anderen auf sein E-Piano einhämmert, brennt die Hütte und seine Gewährsleute wie Damien Rice, Sam Cooke, Professor Longhair, Van Morrison und Tom Waits feiern ver-rückteste Urständ.

 Apropos Wahnsinn: Teilwahnsinn nennt man Monomanie, Vollwahnsinn MONO INC. (25.4., 19 Uhr, Max Nachttheater). Gegen den der Hamburger Band um den Frontman Martin Engler gibt es seit vier Jahren keine Medizin. Und wird es wohl auch nie geben, wie schon das jüngste Album der drei Herren und der reizenden Lady an den Drums andeutet: Nimmermehr schoss wie eine Rakete auf Platz 3 der deutschen Charts.

 Programminfo für die Terminevom 5. bis 29. April im Internet: www.kultur-rausch.de