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Kultur Die Kunst der Illusion
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17:06 16.07.2014
Von Oliver Stenzel
Foto: Der Pianist Christopher Park erhält den mit 10.000 Euro dotierten Leonard Bernstein Award 2014.
Der Pianist Christopher Park erhält den mit 10.000 Euro dotierten Leonard Bernstein Award 2014. Quelle: dpa
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„Leisten kann ich mir das eigentlich nicht, weil es die einzige Möglichkeit ist, Karriere zu machen“, antwortet Christopher Park, wenn man ihn nach seiner konsequenten Weigerung fragt, an Pianisten-Wettbewerben teilzunehmen. „Aber ich halte von dieser Kultur einfach nichts, deshalb wäre es inkonsequent, sie trotzdem zu unterstützen.“ Der 26-Jährige spricht dieses Urteil mit ruhiger Stimme, wird aber gleich noch deutlicher: „Ich glaube, dass Wettbewerbe unserer Musikwelt schaden, dass sie der Kunst schaden. Wenn ich mir Aufnahmen von früher anhöre, kann ich sofort erkennen, ob da gerade Gould, Richter oder Horowitz spielt. Von denen würde aber heute vermutlich niemand mehr einen Wettbewerb gewinnen. Denn den gewinnt meistens derjenige, gegen den man am wenigsten sagen kann.“

 Natürlich kann es sich der gebürtige Bamberger mit deutsch-koreanischen Wurzeln natürlich doch leisten, solche Statements abzugeben. Denn Christopher Parks Karriere verläuft auch ohne Wettbewerbe bereits jetzt so steil, dass er sogar sein Studium ohne Diplom beendet hat, weil er zwischen seinen Auftritten in aller Welt einfach keine Zeit mehr fand, die nötigen Kurse „abzusitzen“, wie er sagt.

 Neben seinen akademischen Lehrern Lev Natochenny und Joachim Volkmann ist heute vor allem ein Musiker für seinen Werdegang wichtig: Christoph Eschenbach. Ihm spielte Park vor einigen Jahren in seiner heutigen Heimatstadt Wiesbaden vor, nachdem er gerade den Förderpreis des Rheingau Musik Festivals gewonnen hatte. Der Maestro war beeindruckt und gibt Park seit 2012 Unterricht. Wobei dies nicht nur im engsten Sinne des Wortes zu verstehen ist: „Genauso wie mit Musik bringt mich Eschenbach auch mit anderen Künsten in Verbindung. So kann es beispielsweise sein, dass er mich auf ein Gedicht aufmerksam macht oder mir ein Bild zeigt, um daran etwas zu erforschen. Ich finde diese Herangehensweise faszinierend, denn gerade in der Klassik und Romantik standen alle Künste ja in einem unmittelbaren Bezug zueinander.“

 Dass ein Pianist auch ein hervorragender Handwerker sein muss, versteht sich für ihn von selbst: „Aber das Handwerk ist für mich nicht mehr als ein Mittel zum Zweck. Vor allem geht es darum, die genialen Gedanken zum Leben zu erwecken, die genialen Komponisten zu ihrer Zeit kamen.“ Er freut sich, dass die Fachwelt seinen sensiblen Anschlag und seine Piansissimo-Kultur lobt, unterstreicht aber zugleich, dass ihm das Fortissimo nicht weniger bedeutet. „ Ein Klavier ist und bleibt ja immer ein Schlaginstrument, auf dem man einen Ton nicht so wie auf einem Streich- oder Blasinstrument entwickeln kann. Aber der Klavierspieler kann wunderbar mit der Illusion arbeiten: Zum Beispiel gibt es Mittel, den Zuhörer denken zu lassen, dass ein Ton lauter wird, obwohl er eigentlich ja nur leiser werden kann, nachdem man ihn angeschlagen hat. Mit solchen Mitteln kann man verblüffen.“

 Zwei hochgelobte CDs hat Christopher Park für die Deutsche Grammophon aufgenommen, die allerdings für den koreanischen Markt produziert wurden und primär dort erhältlich sind. Er selbst hat Korea zum ersten Mal im Alter von 19 Jahren bereist, unterhält aber viele musikalische Kontakte dahin und hat beispielsweise auch mit der renommierten Sopranistin Sumi Jo ein Album aufgenommen. Seine erste CD für den deutschen Markt hat er Anfang dieses Jahres live mit dem NDR Sinfonieorchester aufgenommen. Passenderweise stand auch hier sein Mentor Eschenbach am Pult, der ihn auch bei seinen diesjährigen SHMF-Konzerten begleiten wird.

 Karten für die Generalprobe in Büdelsdorf (Do 17. Juli) sowie für die Konzerte in Kiel (Fr 18. Juli) und in Lübeck (Sa 19. Juli), jew. 20 Uhr: 0431 / 23 70 70 www.shmf.de