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Kultur 3 Jahre Elbphilharmonie: Gut eingespielt
Nachrichten Kultur 3 Jahre Elbphilharmonie: Gut eingespielt
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08:19 10.01.2020
Von Konrad Bockemühl
Faszinierendes Raum(klang)erlebnis: Der Große Saal der Elbphilharmonie fasst 2100 Zuhörer - und ist nach wie vor praktisch immer ausverkauft. Quelle: Christian Charisius
Hamburg

War es zunächst fast schon hysterischer Entdeckerdrang, ist es heute solide Wertschätzung, die dafür sorgt, dass auch im Jahr Drei nach Eröffnung der Elbphilharmonie die Platzauslastung im Großen Saal bei 99 Prozent liegt, im Kleinen bei 92. In der vergangenen Saison waren es in beiden Sälen 731 Veranstaltungen mit 904.000 Besuchern. Nach wie vor ist hier praktisch jeder Termin ausverkauft – nur eben nicht schon sofort nach Vorverkaufsstart: Statt blind zuzuschlagen ist bisweilen genug Zeit, gezielt auszuwählen.

Manche Entrüstung war schnell vergessen

Dass ausgerechnet jetzt, ein paar Tage nach dem Elphi-Debüt von Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher mit Bachs C-Dur-Präludium am Klavier, erstmals ein Konzertabend abgebrochen werden musste, weil ein angemietetes Tonmischpult versagte, war ärgerlich. Ebenso wie die Stürze, die die kühn aufsteigende Architektur mehr als anderswo provoziert. Oder die Entrüstung von und über Jonas Kaufmann, dessen Tenor in der sensiblen Akustik unterging – weil er in Mahlers Klangrausch schlicht falsch stand (und vorab auch drauf hingewiesen wurde).

12 Millionen auf der Plaza, 2,6 Millionen im Konzert

Alles schnell verziehen angesichts der Anziehungskraft, die das weit ausstrahlende Juwel der nun „Musikstadt“ Hamburg stetig beschert. Und wenn es nur die Plaza mit 3,6 Millionen Besuchern allein in der vergangenen Saison ist: Seit deren Eröffnung waren hier schon rund 12 Millionen – 2,6 Millionen von ihnen führte seit 11.1.2017 der Weg über die 37 Meter hinaus weiter ins Konzert. Laut Jahresbericht, ähnlich transparent gehalten wie die „intensive, klare“ Akustik im Saal, ist die Elbphilharmonie endgültig „in der Mitte der Gesellschaft unserer Stadt angekommen“.

Ausloten zwischen Elbphilharmonie und Laeiszhalle

In den Konzertsälen unter der gewellten Skyline sind die Programme mittlerweile durch Erfahrungen aus dem laufenden Spielbetrieb geprägt. Das macht schon deshalb Sinn, weil die Elbphilharmonie im Verbund mit der guten alten Laeiszhalle betrieben wird. Beide haben ihre Stärken und Schwächen. Und das lässt sich gut ausnutzen. Was letztlich dazu führte, dass 2018/19 mit 1,25 Millionen dreimal so viele Menschen Hamburgs Konzerthäuser besuchten, wie drei Jahre zuvor, als der glasgekrönte Musikspeicher noch im Werden war.

Mit Programmen verwöhnen und fordern

Dabei haben Generalintendant Christoph Lieben-Seutter und sein Team es dem Publikum jenseits der großen Namen nicht immer leicht gemacht. Unkonventionelle Schwerpunkte mit vielen neuen Tönen verwöhnten nicht nur, sie forderten auch. Den faszinierenden Saal hätte man auch anders voll bekommen. Wollte man aber nicht. Ohne wirtschaftlichen Druck – auch die Vermietungseinnahmen steigen angesichts der Erfolgsgeschichte – kann man sich das gut erlauben. Und es geht nicht nur um Klassik. Pop (wie gerade erst mit Bastille), Jazz, Weltmusik – alles scheint hier zu passen, vieles noch möglich.

Gut gereift, aber keinesfalls distinguiert

Drei Jahre nach der Eröffnung ist die Elbphilharmonie frisch geblieben, aber gereift, vielleicht ein wenig abgeklärt, keinesfalls distinguiert. Im besten Sinne eingespielt also. Was man getrost auch auf das Team bis hin zum NDR-Hausorchester und die Abläufe beziehen kann. Und sie ist belastbar: Schier unermüdlich führt die längste Rolltreppe Westeuropas hin zum großen Raum(klang)erlebnis.

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