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Kultur Im eisblauen Farbenmeer
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10:00 14.03.2017
Von Maren Kruse
„Die Landschaften sind in meinem Kopf“: Annegret Zucker inmitten ihrer Island-Bilder im Atelier ihres Hauses. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Über die Auszeichnung mit dem Landesschaukunstpreis war Annegret Zucker total überrascht. Sie galt aber nicht allein ihrem in der Stadtgalerie Kiel gezeigten Gemälde Heiße Quelle, das eines der Naturphänomene der vulkanischen Insel nachempfindet, sondern auch die Konsequenz dieser Künstlerin, die seit 1970 regelmäßig in der Jahresschau des Künstlerverbands vertreten ist.

 Jetzt steht sie inmitten ihrer nordischen Leinwandlandschaften im geräumigen Atelier ihres Hauses in Schilksee. 1977 hat Annegret Zucker es mit ihrem Mann bezogen. Ein vertrautes Bild, wie sie hier im schwarzen farbfleckigen Malerkittel ein Bild wegstellt und ein neues auf der Staffelei in den Fokus rückt. Die Haare ultrakurz geschnitten und stets streng in Schwarz, so sah man sie zwischen den Staffeleien in der Kunsthalle, wo die Künstlerin von 1986 bis 2011 die Malschule leitete. Damals, im 1986 eingeweihten Neubau, hatte endlich auch die künstlerische Vermittlung den ihr gebührenden Platz gefunden und Jens Christian Jensen, der langjährige Direktor, hatte Annegret Zucker für den Aufbau der Malschule gewonnen.

 Erfahrung brachte die Malerin, die an der Muthesiusschule bei Gottfried Brockmann und Winfried Zimmermann studiert hatte, reichlich mit. Nach dem Studium hatte sie an der Volkshochschule unterrichtet; anschließend 14 Jahre lang an der Justizvollzugsanstalt in der Kieler Faeschstraße. Viel gelernt habe sie in dieser Zeit, sagt Annegret Zucker, die ihre Rolle als Lehrerin nie als Last, sondern stets als Lust empfunden hat. „Natürlich musste ich auch Geld verdienen“, sagt sie lapidar, „aber ich habe da eben auch meine Leidenschaft entdeckt.“

 Neben diesem Fulltimejob blieb die eigene künstlerische Arbeit innere Notwendigkeit. Zunächst mit strengen konkreten und konstruktivistischen Arbeiten in grafischem Schwarz-Weiß, dann in zusehends bildnerischen Untersuchungen von Materialität und Struktur. Formale Strenge und Konsequenz waren die Markenzeichen der kompromisslosen Kunst, die Annegret Zucker in Landesschauen und Ausstellungen im Lande zeigte. Und für die Künstlerin war die Abstraktion nicht verhandelbar, sondern schlicht und einfach gesetzt, wie das Schwarz ihrer Kleidung. „Tatsächlich habe ich vor 2010 noch nie eine Landschaft gemalt“, sagt Annegret Zucker und staunt fast ein wenig über sich selber.

 Ob es die extreme und urgewaltige Natur Islands war oder die neugewonnene Freiheit des Ruhestands, den sie seit vier Jahren genießt? „Vielleicht beides“, sagt Annegret Zucker und ihre eisblauen Augen blitzen eine Spur schelmisch. Dabei hat sie nicht unbedingt eine malerische Kehrtwende vollzogen. Wer genau hinsieht, erkennt, dass ihre kühlen nordischen Landschaften, in denen sich die Horizonte eigentümlich staffeln, nicht nach topografischer Genauigkeit streben, sondern in ihrem hohen Abstraktionsgrad so etwas wie eine Essenz der Landschaft vermitteln.

 Auf den quadratischen Bildformaten, die Zucker nicht auf Leinwand, sondern, eine Spur neutraler und nüchterner, auf Hartfaserplatte malt, spürt die Malerin ihren Eindrücken der wuchtigen Landschaft Islands, Grönlands oder Spitzbergens nach. Es sei aus der Erinnerung herausgekratzt. „Ich mache ja keine Fotos, nach denen ich male“, sagt sie und richtet den Blick auf ein Bild, auf dem schlierige Nebelvorhänge in türkisblaue Wasserflächen abtauchen. Kompositorische Spannung aufzubauen, ein Gefühl für die Härte und das Düstere der Landschaft herzustellen, deren vulkanischer Urgrund sich in Abbruchkanten manifestiert, das gelingt der Künstlerin in diesen Bildern. Im September werden sie in der Werkschau im Brunswiker Pavillon zu sehen sein. Ein Katalog ist in Vorbereitung.

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