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Kultur Unstimmigkeiten im Miteinander
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19:20 28.08.2014
Von Oliver Stenzel
Kristian Bezuidenhout am Hammerklavier. Quelle: A. Nickolaus
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Büdelsdorf

Mit Joseph Haydns Ouvertüre zum Dramma eroicomico „Orlando Paladino“ Hob. XXVIII:11 unterstreichen die Freiburger zunächst im Alleingang die Qualitäten, für die sie heute stehen. Im Klangbild poliert und aufgeraut zugleich, liegt ihre Stärke auch ansonsten in der Vermittlung unterschiedlicher Positionen der historischen Aufführungspraxis. In den schnelleren Passagen der Ouvertüre gehen sie durchaus ruppig zu Werke und präsentieren einen kecken Haydn. In den langsameren Momenten stellen sie ihn kammermusikalischer und detailverliebter dar.

 Auch in Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 415 wechseln die Musiktemperaturen mit den insgesamt vergleichsweise moderaten Tempi. Kristian Bezuidenhouts Solopart erscheint in der großen Thormannhalle daher oft sehr dicht eingefasst, kann sich aber mitunter aber auch freier entfalten. Dabei beeindruckt der Südafrikaner an seinem Instrument durch faszinierende Pianissimo-Eskalationen und sein Vermögen, der Musik bis in ihre feinsten Verästelungen zu folgen.

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 Nach der Pause treten in Felix Mendelssohns Konzert d-Moll für Violine, Klavier und Orchester einige Schräglagen auf. Orchesterleiter und Soloviolinist Gottfried von der Goltz hat das lange vergessene Konzert zwar vor einigen Jahren mit Bezuidenhout auf CD vollendet eingespielt, wirkt an diesem Abend aber überraschend nervös und leistet sich diverse Patzer. Bezuidenhout, sein Gegenüber am Hammerklavier lässt sich von seinem scharfkantigen Spiel zudem selten aus der Reserve locken, so dass die Tastenklänge hier oft wie ein flüchtiges Parfum um die Violine wehen. Eine durchwachsene Leistung, nach der dem Orchester mit Joseph Haydns Sinfonie G-Dur Hob. I:81 zum Glück noch ein gesammelter Ausklang gelingt.