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Kultur Erbsen, Ed und andere Superhelden
Nachrichten Kultur Erbsen, Ed und andere Superhelden
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07:00 28.03.2018
Von Ruth Bender
Langjähriges Team: Pferd Ed begleitet Zeichner Gregor Hinz schon seit Jahren durch sein Werk. Quelle: Marco Ehrhardt
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Kiel

Eine Streichholzrakete, die ordentlich abgeht, Erbsen mit Superkräften oder die explodierende Wassermelone – eigentlich will man das alles sofort ausprobieren, was Autorin Saralisa Volm und Illustrator Gregor Hinz in Wort und Bild in ihrem Buch großformatig ausbreiten. 52 Alltagsexperimente hat die Berliner Schauspielerin, Filmproduzentin und Autorin gesammelt, mit ihren eigenen Kindern getestet und in praktischen Anleitungen aufgedröselt.

Eine Arbeitsanleitung muss einfach korrekt sein

„Die Seiten zusammen zu bauen war ganz schön tricky“, sagt Gregor Hinz, der den ungelenken, an Kinderhand erinnernden Strich liebt, hier aber auch das Anarchische und das Präzise in Einklang bringen musste. „Es ist ja auch eine Arbeitsanleitung – und die musste korrekt sein.“ Zur ersten Orientierung halfen Text und Fotos von Saralisa, mit der er schon länger an dem Buch herumgegrübelt hatte, und dann der Computer, auf dem er die Versatzstücke der Seiten so lange hin und her schieben, vergrößern und verkleinern konnte, bis das Verhältnis stimmte: „Wahnsinn, wieviele Schüsseln, Wasserhähne und Dosen da zu zeichnen waren …“ Und die Varianten des Pferdchens ergäben schon fast einen Zeichentrickfilm.

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So entstanden die doppelseitigen Tableaus mit Kästen, Sprechblasen und vielen spielerischen Details für Entdecker – irgendwo zwischen Bilderbuch, Comic und Gebrauchsanweisung. Und die aus dem Lot geratenen Perspektiven und irrwitzigen Proportionen machen den Bildern zusätzlich Tempo.

Hier ist kein Strich analog entstanden

Stifte und Farbtuben, wie sie im Atelier im Königsweg kunterbunt Gregors Schreibtisch bevölkern, spielten diesmal keine Rolle. „Hier ist kein Strich analog entstanden“, sagt er und findet es selbst ein bisschen seltsam, dass es keine Originale zum Anfassen gibt. „Ich zeichne halt schon gern auf Papier“, sinniert er. „Normalerweise zeichne ich einfach los und bin schnell zufrieden. Aber diesmal haben wir, auch mit der Lektorin, immer noch weiter gebohrt und es besser gemacht.“

Eine gute Mischung aus angewandter und künstlerischer Arbeit, sagt der Zeichner. Und das Medium Kinderbuch liegt ihm sowieso. „Man kann da schön anarchisch sein“, schmunzelt er – nur auf den derben Slang, den er sonst auch mal schätzt, und Prügeleien, die auf seinen Bildern auch immer mal wieder ihre komische Seite entfalten, hat er vorsichtshalber verzichtet.

Das Buch versammelt Abenteuer fürs ganze Jahr

Dem Spaßfaktor tut das keinen Abbruch in dem Buch, das Abenteuer für ein ganzes Jahr versammelt. Die Zutaten dafür finden sich in jedem Haushalt oder auch mal im Baumarkt. Hilfestellung beim Nachmachen geben Ed, der mit vollem Namen Ed Ventscha (sic!) heißt, Stuntman Richard Kühn und Mou Tiger, eine handfeste Gefahrensucherin. Und nebenbei erklärt sich an den Wundern von Natur und Technik auch die Welt.

Verlag Sauerländer, 16,99 Euro