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Kultur Bildhauer Jan Koblasa gestorben
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16:38 10.10.2017
Von Maren Kruse
Wuchtige, kraftvolle Bildsprache: Der Bildhauer Jan Koblasa 2004 in seiner Gottorfer Werkschau. Quelle: Axel Nickolaus
Kiel/Hamburg

„Zu finden ist die Formel, Materie beschwören, Materie in Erregung versetzen, so dass sie erstrahlt.“ Knappe, aber umso sicherer gesetzte Worte eines Bildhauers, der wie kein anderer seine kompromisslose künstlerische Spur im Norden hinterlassen hat. Am 3. Oktober ist Jan Koblasa zwei Tage vor seinem 85. Geburtstag in Hamburg gestorben.

Koblasas Plastiken sprechen eine universell gültige Sprache, eine Sprache, die auch im öffentlichen Raum verstanden wird oder sich in Kirchenräumen in ihrer kraftvollen und dabei schlichten Unmittelbarkeit entfaltet. Wie seine Sieben Arbeitstage vor dem Kieler Arbeitsamt, sein Nachbar vor dem Kieler Standesamt oder seine Bronzen und Holzskulpturen, die in den Museumssammlungen von Flensburg, Gottorf, Kiel, Lübeck oder Hamburg ihren unverzichtbaren Platz haben.

Das Schicksal hatte den 1932 in Tabor geborenen Koblasa 1968 in den Norden geführt. Er war im Mai ins ostholsteinische Dodau gekommen, um eine Einzelausstellung seiner Arbeiten vorzubereiten, die zur Kieler Woche stattfinden sollte. Auf drei Monate war sein Arbeitsaufenthalt angelegt. Im August zog es ihn dann auf eine Studienreise nach Italien, wo ihn die Nachricht vom politischen Umsturz in der Tschechoslowakei wie ein Faustschlag traf und die Weichen für sein Leben neu stellte. Erst 1991 konnte er auf Einladung Vaclav Havels in seine Heimat zurückkehren. Versöhnung ist ein zu großes Wort, aber es war doch eine große Genugtuung und Freude für den aus seiner Heimat Vertriebenen, dass die ihm gewidmete große Werkschau auf der Prager Burg zum glänzenden Erfolg wurde.

Dabei war Heimat für Koblasa durchaus keine feste Größe. Er war umtriebig, ja rastlos und längst international tätig, als er ein Jahr nach seiner erzwungenen Emigration mit Kiel eine Verbindung einging, die bis heute nachwirkt. Mit seiner Gründung der Bildhauerklasse an der Muthesiusschule, die er fast drei Jahrzehnte lang führte, prägte er die schleswig-holsteinische Szene. Das zeigte sich auch in der Verbundenheit mit vielen seiner ehemaligen Studenten, die den Kontakt nie abreißen ließen. Seiner Klasse anzugehören, war wie ein Markenzeichen und ließ doch alle Freiheit, den eigenen Weg zu finden.

Die Figur war Jan Koblasas zentrales bildhauerisches Thema, das er in immer neuer Gestalt deutete, mit der er spielte oder die er in extreme Reduktion trieb. Einzeln, als Gruppe, abstrahiert oder individualisiert – das Formenvokabular schien unerschöpflich. Was darüber lag, war tiefe Innerlichkeit und Spiritualität. „Ich will das sagen, was ist, aber nicht das, was sichtbar ist“, ist so ein Diktum Jan Koblasas. Viele werden in diesen Tagen mit seiner Frau Sonia Jakuschewa trauern.

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