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Kultur Die zwei Seelen des Herrn K.K.
Nachrichten Kultur Die zwei Seelen des Herrn K.K.
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13:06 23.02.2018
Von Jörg Meyer
Foto: Kontra K begeisterte in der Halle 400.
Kontra K begeisterte in der Halle 400. Quelle: Michael Kaniecki
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Kiel

Der erste Eindruck:

Bis fast auf den halben Weg zur Hörn-Brücke reicht die Schlange derer, die mit Kontra K jedweder Gewalt „Gute Nacht“ sagen wollen. Kalte, klare Winternacht, in der man das Hörnpanorama als „besonders friedliches“ genießt und gar nicht greint, dass es eine gute halbe Stunde braucht, bis alle eingelassen sind.

Das Programm:

Nach Supporter Ricos fünf Songs aus seinem fast soulig anmutenden Album „Kopfnicken“ beschützt Kontra K im Opener „Ratten“ „die Schwachen“, vor denen, die sich titelgemäß darauf reimen. Von Gottvertrauen ist geradezu biblisch die Rede wie auch im Titelsong „Gute Nacht“. Selbige hat Kontra K schon auf dem letzten Chart-Stürmer-Album „Labyrinth“ (2016) all denen gegeben, die noch dem Gangsta-Rap-Idiom anhängen. Er will ein Guter sein, denn da sind „2 Seelen“ in seiner Brust, die nach neuem Atem ringt. Macht er auch gut, bedient mit den Songs vom „Gute Nacht“-Album wie Reminiszenzen von früheren all die, die all das kennen und ihm auf dem neuen Weg folgen.

Das Publikum:

Das Publikum, meist welche, die ihre Geburt nah am Jahrtausendrand verbuchen, macht die üblichen Spielchen wie bei „Spring!“ mit. Handy-kerzt zu den Balladen. Kreischt als Mädchenchor, wenn Herr K.K. die tätowierte Brust bei „Power“ entblößt (Chippendales lassen grüßen), und ist auch ansonsten seinem Star textsicher in den Refrains auf der neuen Spur. Krawatte, Nadelstreif und Aktenkoffer, die nachwievor verhassten Symbole des Establishments, trägt hier niemand.

Was in Erinnerung bleibt:

Songs wie „Hoffnung“, zwar von früherem Album, aber Kontra K’s Wandlung schon andeutend – hin zu einer Musik, die Hoffnung schafft für eine Wandlung zur besseren Welt der Geschwisterlichkeit und Solidarität.
Fazit:

Dass in Kontra K’s Brust zwei Seelen siedeln und manchmal auch angenehm über die Stränge schlagen, dass er sie und ihren Widerspruch benennt, macht seine Musik zu einer authentischen Suche nach dem Guten – im Hip-Hop wie in den Menschen.