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Kultur Federspiel holte die Alpen an die Förde
Nachrichten Kultur Federspiel holte die Alpen an die Förde
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09:16 29.04.2018
Von Jörg Meyer
Folk Baltica: Federspiel im Kulturforum. Quelle: Björn Schaller
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Kiel

Der erste Eindruck

Mit voller Blechbläser-Power starten Federspiel zugleich tänzerisch. Schon im ersten Stück machen sie klar, dass hier kein „Musikantenstadl“ veranstaltet wird, sondern traditionelle Volksmusik von Almdudler und Schuhplattler bis zum alpenglühenden Jodler ironisch gebrochen wird, und dass ihre ungemein vielfältigen musikalischen Heimaten von den Alpen bis zum nordischen Fjell und zur mexikanischen Sierra reicht.

Das Programm

Aber nicht nur strahlend schmettern kann Federspiels Blech, auch gold-warm glänzen im folgenden choralartigen Stück, das sich bald zu einem flinken Marsch mit Triogesang steigert. In „Wien, ach, Wien“ lädt die Donaumetropole zum Tanz ein. Zunächst nicht zum Walzer, sondern in einem geheimnisvollen Marsch, wo der Atem der Trompeten eine Trommel mimt. Schließlich folgt daraus aber doch ein seliger Walzer mit schönem Wiener Schmäh. Aus Norwegen brachte Federspiel ein Bad im Wasserfall mit. Aus der verwunschenen Harmonik à la Grieg steigt schließlich ein Gnom, der koboldisch keck auftrumpft. Den Rhythmen der Großstadt haben Federspiel in New York erspürt. Im vor- und nachklappernden 15/8-Takt, durch perkussives Spiel des Blechs (ploppendes Schlagen aufs Mundstück) und unterstützt von Elektronik rattert die Stadt wild durcheinander und das Stück gerät beinahe zum Techno. Ruhiger und bewusst kitschig ist der Soundtrack zum alpinen Wetterpanorama.

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Das Publikum ...

... ist von solchen Wechselbädern ebenso fasziniert wie amüsiert. In den stets brandenden Applaus mischen sich begeisterte Bravos, bei den ruhigeren Stücken auch mal ein gerührtes „Ach, schön ...“, mancher Szenenapplaus für das zuweilen geradezu artistische Spiel. Und in die ohrwurmende Melodie der Zugabe stimmen die Zuhörer spontan singend ein.

Fazit

Federspiel lassen ihr Alpenglüh’n leuchten, strahlen und spitzen es manchmal fast rockig zu. Die unterschiedlichen musikalischen Heimaten und (Folk-) Stile verbinden sie und kreieren damit eine weltmusikalische Heimat. Das so virtuos und (selbst-) ironisch, dass es eine wahre Freude ist.

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