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Kultur Dunkle Schönheit in Schwarzblau
Nachrichten Kultur Dunkle Schönheit in Schwarzblau
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10:22 28.01.2019
Von Kai-Peter Boysen
Auftritt in der Pumpe: Fjørt, eine dunkle Schönheit, ein schwarz-blaues Licht am Ende des Tunnels. Quelle: Michael Kaniecki
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Kiel

300 Fans waren beim Konzert der Aachener Post-Hardcore Band Fjørt in der Kieler Pumpe dabei.

Der erste Eindruck

Vor vier Jahren spielten Fjørt noch unten im Roten Salon vor etwa 50 Zuschauern, jetzt sind 300 an einem Sonntagabend da. Es hat sich offensichtlich herumgesprochen, dass das Trio live ein intensives Erlebnis in Nebel und blauem Licht ist.

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Die Musik

Post-Hardcore, das bedeutet im Falle Fjørt ein mit Modulationseffekten wundervoll aufgepumpter Sound von Gitarre (Chris Hell) und Bass (David Frings). Beide teilen sich auch den Gesang, das heißt sie schreien, wie in dem Genre üblich, die Worte heraus. Da sind oft nur Wortfetzen zu verstehen, doch der Großteil der jungen Fans formuliert jedes Wort mit, hat die Songs längst verinnerlicht.

Drummer Frank Schophaus verrichtet Schwerstarbeit, kanalisiert diesen Soundsturm zwischen Höchsttempo („Anthrazit“) und straightem Beat („D’accord“). Die mit Abstand längste Ansage macht David Frings vor „Paroli“, einem Song gegen rechte Unmenschlichkeit.

Das Publikum

Jung und bereit, jedem Schritt der Band zwischen Verzweiflung und Hoffnung zu folgen. Die Texte hat man längst drauf, kann Sätze wie: „Was dir fehlt, schneide ich aus mir heraus. Ich habe alle Zeit und kann alles sein, was du brauchst“ („Windschief“) lassen sich einfach großartig mitschreien. Man wippt mit, kann zwischen den Songs auch ganz leise sein, was David Frings positiv auffällt. Doch die Fans können auch anders: Im Zugabenteil bildet sich ein Moshpit und Crowdsurfer ziehen ihre Bahnen durch die Reihen.

Was in Erinnerung bleibt

Zum Schluss des regulären Sets weist Bassist David darauf hin, dass Fjørt privilegiert seien, letztlich durch Mundpropaganda am Sonntagabend fern der Heimat so viele Leute zu ziehen und ermuntert das Publikum, weniger bekannte lokale Acts „auszuchecken“, „denn es gibt viele gute Bands da draußen in Kiel, Flensburg oder Neumünster“.

Fazit

Eine intensive Erfahrung, die einen leicht entrückt und lächelnd zurücklässt. Fjørt, eine dunkle Schönheit, ein schwarz-blaues Licht am Ende des Tunnels.