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Kultur Judith Holofernes‘ sympathisches Chaos
Nachrichten Kultur Judith Holofernes‘ sympathisches Chaos
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15:15 18.07.2018
Von Thomas Bunjes
Foto: Judith Holofernes spielte am Dienstagabend beim SHMF in Flensburg. 
Judith Holofernes spielte am Dienstagabend beim SHMF in Flensburg.  Quelle: Axel Nickolaus
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Flensburg

 Der erste Eindruck

Vor allem nach hinten raus ist die Halle recht luftig gefüllt. Aus der Konserve gibt’s teils Lieder, deren Interpreten später im Holofernes-Song „M.I.L.F.“ auftauchen sollten – Rickie Lee Jones, Specials usw. Das Konzert beginnt mit 20 Minuten Verspätung, warum auch immer, und den Anfang macht dann solo mit drei Songs am E-Piano der zuvor von Holofernes persönlich vorgestellte Teitur.

Das Programm

Speist sich aus den ersten beiden Holofernes-Soloalben „Ein leichtes Schwert“ (2014) und „Ich bin das Chaos“ (2017), für das die Berlinerin zusammen mit Teitur Songs geschrieben hat – acht für ihr Album, vier für dessen im Juni herausgekommenes Album „I Want To Be Kind“. So hört das Publikum etwa die walzernde Ballade „Die Leiden der jungen Lisa“, das ruppige „Platz da“ (bei dem die Sängerin mittendrin eine passende Passage aus ihrem Lyrik- Buch „Du bellst vor dem falschen Baum“ vorliest), das rock’n’rollige „Charlotte Atlas“, das etwas musikalisch etwas pumpe „Ich bin das Chaos“, mit „The Geek (Shall Inherit)“ und „Der Krieg kommt schneller zurück, als du denkst“ auch Wir-sind-Helden-Songs sowie englisch-deutsche Duette mit Teitur ohne Band – „Sarah“ und „Catherine The Waitress“. Teitur fügte sich live vortrefflich in Holofernes Band.

Das Publikum

Dafür, dass da vorn eine 41-jährige Sängerin, Gitarristin und Songschreiberin mit ihrer Band ein nicht selten gehörig krachendes Rockkonzert gibt, stehen hier überraschend viele deutlich-Ü-60-Zuhörer - cool. Und natürlich ist es kein Problem, sich bei einem Rockkonzert laut zu unterhalten. Der permanente Small-Talk-Geräuschpegel im mittleren und hinteren Teil der Halle während Teiturs drei leisen, schönen, solo zum E-Piano vorgetragenen Liedern zeugt allerdings von Respektlosigkeit - dem Künstler und auch jenen gegenüber, die zuhören wollten.

Was in Erinnerung bleibt

Die freche Lockerheit, mit der Judith Holofernes den Auftritt meisterte. Bei „Der Krieg kommt schneller zurück, als du denkst“ etwa bricht sie den Song nach ein paar Takten ab, weil ihr Gitarrenriff nicht reinpasst. Kurze Diskussion und Riff-Abgleich mit Gitarrist Alexander Binder und Bassist Jörg Holdinghausen, Holofernes lacht und knurrt: „Noch mal.“ Diesmal sitzt’s. „So ist das mit der Verdrehung“, sagt sie nach dem Song und zum Publikum: „Ihr seid sehr nett. Und sehr schön seid ihr auch.“

Fazit

Ein unterhaltsames, abwechslungsreiches, starkes Konzert mit einem anfangs grottigen Sound (die cleveren Texte waren fast nie zu verstehen), der auch gegen Ende noch nicht sauber und austariert war.