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Kultur Gitarrenpop voller Emotionen
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07:41 22.06.2019
Von Thorben Bull
Foto:  Kelvin Jones am Freitagabend auf der Rathausbühne.
 Kelvin Jones am Freitagabend auf der Rathausbühne. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

Kelvin Jones und Declan J Donovan berührten am späten Freitagabend mit ihren empfindsamen Songs und Texten die Kieler-Woche-Besucher. 

Der erste Eindruck

Kelvin Jones legte vor. Mit seiner forschen aber bestimmten Art hatte der talentierte Musiker das Publikum schnell ins Boot geholt. Zu den Refrains seiner Singles „Lights On“ und „Call You Home“ hallten die Chöre über den Rathausplatz. Declan J Donovan setzte hingegen – passend zum Abendrot – auf in die Tiefe gehende Stücke mit weniger Verve.

Die Musik

Beide Künstler orientierten sich am sanftmütigen von Melancholie durchsetzten Gitarrenpop, setzten dabei auf traditionelle Songmuster: Verse, Chorus, Verse. Die Akkorde – insbesondere bei Jones – gerne via Loop-Station in freudiger Dauerrotation. Declan J Donovan ließ es gemächlicher angehen. Von der selbst gezupften elektrischen Gitarre getragen, entwickelten balladeske Nummern wie „Vienna“ oder „Human Way“ ihre Sogwirkung erst deutlich später, als die sofort zupackenden Lieder seines Vorgängers.

Das Publikum...

...war den Songtexten von Kelvin Jones mächtig, sodass die eingangs erwähnten Chöre bei so manchem sicher für Gänsehaut sorgten. Als Donovan die Bühne betrat, waren die Reihen vor der Bühne zwar bereits sichtbar gelichtet, allerdings entstand dadurch Genießeratmosphäre. Das von Klavierakkorden untermalte „She Will Be Mine“ zog das Tempo dann an, konnte aber nicht dem Mitreißfaktor von Jones Paroli bieten.

Was Erinnerung bleibt

Bei Kelvin Jones brannte sich seine kräftig-volle wie prägnante Stimme ins Gedächtnis. Ebenso sein Ausflug in die Menge beim Ohrwurm „Only Thing We Know“, der das Band zwischen Künstler und mitsingenden Gästen noch fester schnürte. Zudem erheiterte die in Simbabwe geborene Stimmgewalt mit Entstehungsgeschichten seiner Songs die Gemüter. Über „Call You Home“ (hierzulande übrigens mit Gold ausgezeichnet) berichtete er: „Als ich meiner Mutter in der Küche diesen Song vorspielte, war sie nicht sehr angetan.“ Auch Donovan scheute nicht vor persönlichen Einblicken. Schließlich ist sein Durchbruchsong „Fallen So Young“ von der Hochzeit seines Bruders inspiriert.

Fazit

Im direkten Vergleich legte Kelvin Jones den verheißungsvolleren Auftritt hin. Vom künstlerischem Potenzial her begegneten sich die beiden Briten trotzdem auf Augenhöhe. Wer das Songwriter-Pop-Doppel noch nicht kannte, der wird eventuell Neues für den Plattenschrank entdeckt haben.

Kelvin Jones und Declan J Donovan berührten am späten Freitagabend die Kieler-Woche-Besucher.