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19:11 07.11.2019
Von Thomas Bunjes
Exzessive Performance: Die Essener Band Botticelli Baby lud den Roten Salon der Kieler Pumpee mit positiver Energie auf. Quelle: mwe: Manuel Weber
Kiel

Schnoddrig klingt das Wort aus dem Munde von Bösherz. Wie der Musikstil, den die Essener Band pflegt – Jazz, infiziert und dargeboten mit der Energie des Punk. Nicht von ungefähr heißt ergo das zweite Album des Septetts "Junk". Weil die Songs darauf – die Text stammen von Bösherz, die Musik von Trompeter Alex Niermann – Jazz und Punk kombinieren. Und weil Botticelli Baby nach dem Bekunden von Bösherz dem Jazz „die Dreckigkeit zurückgeben“ wollen, „die er früher mal hatte“. 

Positive Energie, schubweise

Was ihnen live im Roten Salon noch viel vortrefflicher gelingt als auf ihren Alben. Die positive Energie, die das Septett auf der Bühne entwickelt, entlädt sich schubweise in den Raum – und lässt Teile der Menge ausrasten. Vorn in der Mitte hat sich zügig ein Pulk zappelnder, zuckender, freundlich schubsender Zuschauer gebildet, ein Push-Pit. Eigenartigerweise sind nicht wenige der Herren altersübergreifend mit einem Haargummi-umzurrten Pferdeschwanzstummel ausgestattet.

Skurriler Humor

„Meine sehr verehrten Pumpen“, wendet sich Bösherz, der sich längst seines schwarzen Schlabberpullis entledigt hat und beizeiten absurden Humor im Geiste Helge Schneiders aufblitzen lässt, an die Euphorisierten. Und schon explodiert die Band wieder in einen dieser rasenden Swing-Tracks, diesmal mit Big-Band-Bash, und Bösherz singt, nein, er schreit melodisch: „unicorn sticking in a chewing gum paper“, einen anderen Song schmückt die skurrile Zeile „the crash test dummy of a Porsche Cayenne is terribly thin“. Hier brüllt Bösherz mehrfach die Zeile „the joint passed by“, da keift er „I don’t wanna cry“. Der gepfefferte Gypsy-Jazz von "Tout Abus Sera Puni" fährt so zuverlässig in die Beine wie das Swing-Gewitter "Let’s Fall In Love". Aber auch ruhigere Songs – was heißt hier schon ruhiger? – wie die Soul-Jazz-Perlen "Mixtape" oder "Hang ’Em Higher" beben vor innerer Spannung, die sich doch irgendwann entladen muss.

Bläser ein wesentlicher Treibstoff

Ein wesentlicher Treibstoff dieses Hot-Jazz-Balkan-Swing-Soul-Gypsy-Sounds sind Niermanns Trompete, Max Wehners Posaune und Jakob Jentgens Saxofon. Aber auch Tom Hellentahls tom-tom-dominiertes Schlagzeug, Jörg Buttlers im Affenzahn geschlagene Gitarre und der – pumpende – Bass von Bösherz schieben die Songs stramm nach vorn. Lukas Sziegoleits E-Piano hält sich mehr im Hintergrund, rollt für gelegentliche Soli nach vorn. Und am Ende sind auch Botticelli Baby in Schweiß gebadet.

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