Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur Sorge um die Menschheit
Nachrichten Kultur Sorge um die Menschheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:18 20.11.2019
Von Sabine Tholund
Boualem Sansal behandelt in seinem neuen Roman Angst als Vorstufe von Gewalt. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen: Elisabeth Poitier ist Gymnasiallehrerin in einem Brennpunkt der Pariser Banlieue – sie wird dem islamistischen Anschlag vom 13. November 2015 in Paris zum Opfer fallen. Ute von Ebert, Erbin einer reichen Industriellenfamilie, lebt in der fiktiven deutschen Stadt Erlingen, die von einem unbenannten Feind umlagert wird. Die Bevölkerung, der langsam die Lebensmittel ausgehen, wartet verzweifelt auf einen Zug, der die Eingeschlossenen evakuieren soll. Doch der Zug kommt nicht. Beide Frauen sind durch ein „geheimes Band“ verbunden, erkennen sie doch das Fortschreiten eines sektiererischen Glaubens und den Zerfall der demokratischen Gesellschaft. Beide revoltieren dagegen. Und beide haben Töchter in London, denen sie Briefe schreiben, die sie nicht abschicken werden. Den Töchtern tragen sie auf, aus den von ihnen hinterlassenen Papieren, Aufzeichnungen und Briefen einen Roman zu schreiben – geordnet nach eigenen Vorstellungen.

Seine Romane sind "immer sehr kompliziert"

„Die Konstruktion dieses Romans entfernt sich beträchtlich von üblichen Romanen“, sagt der Autor und promovierte Volkswirt, bis zur Veröffentlichung seines Debütromans Der Schwur der Barbaren (1999) hochrangiger Beamter im algerischen Industrieministerium. Das aktuelle Buch ist ein kluges, mit philosophischen Gedanken durchsetztes Werk, getragen von der Sorge um die Menschheit und den Planeten Erde. Es setzt sich zusammen aus einer Vielzahl von Geschichten und Querverweisen auf andere Romane, darunter C. Virgil Gheorghius Die Unsterblichen von Agapia oder Henry Davis Thoreaus Walden. „Ich lade Sie ein, zu lesen“, so Sansal zu seinen Zuhörern und räumt ein, dass seine Romane „immer sehr kompliziert“ wären.

Angst als eine Vorstufe der Gewalt

Am Anfang seiner Schriftstellerkarriere war Gewalt sein vorherrschendes Thema. „Ich lebe in Algerien, wo es viel Gewalt gibt“, sagt er, „und ich bin immer wieder erstaunt, wie die Menschen sich mit dieser Gewalt arrangieren.“ Sein neuer Roman handle von Angst, die eine Vorstufe der Gewalt sei. Störfaktoren wie Wirtschaftskrisen oder Flüchtlingsströme lösten in der Gesellschaft Ängste aus, die in Gewalt münden, so der Autor, der 2011 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde. Selbst in einer islamischen Gesellschaft aufgewachsen, ist er ein scharfer Kritiker des Islamismus, in dem er einen Grund für die Gefährdung der Welt sieht, da er „die Menschheit in ihrem genetischen Code“ attackiere. „Die moderne Gesellschaft wird von allen Seiten angegriffen: von Armut, Globalisierung oder Terrorismus.“

In Sansals Erlingen herrscht die Angst vor einem unbekannten, ja mystischen Feind – eine Angst, die sich im ganzen Land verbreitet. „Wie in Erlingen ist es in der ganzen Welt: Jeder denkt, wir sind von Feinden umzingelt“, ist der 70-Jährige überzeugt „Ich denunziere in diesem Buch die Phantasmagorie der Menschen, die die Angst schüren.“

Mehr Kultur aus der Region lesen Sie hier auf www.kn-online.de

Die Justiz verfolgte die Whistleblowerin Katharine Gun dafür, dass sie den Irak-Krieg verhindern wollte: Die Britin, die als Übersetzerin arbeitete, leakte 2003 ein Geheimdienstdokument an die britische Zeitung “The Observer”. Der Film “Official Secrets” rekonstruiert ihre Geschichte.

20.11.2019

Das erfolgreiche Musical „Cats“ kommt als Live-Action-Version ins Kino. Der erste Trailer stieß im Sommer bereits auf wenig Begeisterung im Netz. Nach dem zweiten Trailer ernten die Topstars, die als Katzen zu sehen sind, erneut Häme und Spott.

23.11.2019

Ein älterer Mann zieht sich nach dem Tod seiner Frau in ein norwegisches Dorf zurück, wo ihn seine Vergangenheit einholt. In Hans Petter Molands Drama “Pferde stehlen” (Kinostart am 21. November) spielt Stellan Skarsgård die Hauptrolle. Kameramann Rasmus Vidbæk erhelt bei der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären.

20.11.2019