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15:35 08.03.2016
Von Thomas Bunjes
Gut aufgelegt: Sonja Glass (links) und Valeska Steiner mit einer formidablen Band im Rücken. Quelle: Manuel Weber
Kiel

Vor knapp 1200 Gästen, die aufmerksam und doch versunken das Konzert genießen und ihre Smartphones stecken lassen. Selten eine so entspannte, freundliche, friedliche, respektvolle Atmosphäre auf einem Pop-Konzert erlebt – und das liegt sicher nicht nur an den vielen Frauen im Saal. Die Welt wird ein bisschen besser mit Boy-Musik.

Fühlt sich an wie Frühling

„Wir haben uns sehr auf dieses Konzert gefreut, wir waren schon mal hier, aber nicht mit Band“, erzählt Lead-Sängerin und Texterin Valeska Steiner dem Publikum nach dem dazu passenden ersten Song, dem melancholisch pochenden Indie-Pop-Titelstück ihres aktuellen, zweiten Albums namens We Were Here. Das sei schon sehr lange her, 2010 beim Duckstein-Festival. Ob jemand hier im Publikum damals dort gewesen sei? Eine meldet sich, zur Freude von Valeska Steiner. „Ihr habt es richtig schön hier in Kiel“, erzählt sie dann, „ich bin heute mit dem Klapprad durch die Stadt gefahren, es fühlte sich schon richtig wie Frühling an, die Leute waren guter Laune, und alle Ampeln waren grün.“ All das wirkt nicht aufgesetzt. So wie das Lachen der beiden Boy-Frauen nach kurzen Zwiegesprächen während der Songs, die Tanzbewegungen, die Interaktion mit dem Publikum, selbst das seit vielen Dekaden allseits beliebte Mitsingspiel mit verteilten Rollen, hier im Max nach dem Modus: erst der Balkon allein, dann der Saal.

Hier sehen Sie Bilder vom Boy-Konzert in Kiel.

Begleitet von einer starken Band – Gitarre, Keyboard, Schlagzeug, Percussion – die für Boy eine Bank ist, mischen Valeska Steiner und Sonja Glass mit klaren, kräftigen Stimmen Songs ihrer beiden bisherigen Alben Mutual Friends und We Were Here. Bruchlos, was belegt, dass an dem von einigen Kritikern unterstellten qualitativen Gefälle beider Alben wenig dran ist. Boris (Steiner: „ein Lied über einen unangenehmen Zeitgenossen“) ist eines ihrer besten: erdig, bluesig groovend, mit einer kraftvollen Gitarrenmelodie, könnte auch von Fleetwood Mac oder Rickie Lee Jones stammen. Gleich danach ein weiteres Highlight von ihrem Debütalbum, das aufgekratzte Oh Boy mit einem massiv bratzenden Electro-Intermezzo – Zeit für die mächtige Disco-Kugel an der Decke, sich zu drehen und zum Refrain Lichtpunkte durchs Rund tanzen zu lassen. Gefolgt vom elegischen, in seiner eleganten Schlichtheit schönen Hotel vom neuen Album.

Zwei Zugaben beim Konzert

Ihren größten Hit Seven Little Numbers platzieren Boy selbstbewusst an die vorletzte Stelle ihres nur gut einstündigen regulären Sets, das damit allerdings ganz schön knapp ausfällt. Hier kommt wenig überraschend am meisten Bewegung ins Publikum. Das dezent indie-rockende No Sleep For The Dreamer mit seinem tief gründelnden Bass setzt dann den Schlusspunkt, gefolgt von Handküssen ins Publikum vor dem vorläufigen Abschied.

Denn zweimal kommen Boy und Band dann noch zurück. „Wir wollten ja noch gar nicht gehen!“, ruft Valeska Steiner. Die feine Americana-Ballade Flames macht den Anfang, danach das vielschichtige This The Beginning mit einem ausgiebigen, energiegeladenen instrumentellen Jam bis zum abrupten Break samt Abgang. Die Menge will noch mehr, und bekommt das großartige, facettenreiche Skin. „Wir waren schon lange nicht mehr auf Tour, das ist schon drei Monate her“, sagt Valeska Steiner, scheint es ernst zu meinen und erntet dennoch Lacher. „Wieder auf Tour gehen hat immer etwa Absurdes, aber nach so einem Abend hier weiß man: Es ist das Richtige.“

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