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Kultur „Unerschöpflich im Gehalt“
Nachrichten Kultur „Unerschöpflich im Gehalt“
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11:38 06.03.2019
Der Dirigent Georg Fritzsch und die Regisseurin Brigitte Fassbaender arbeiten gerne zusammen. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Brigitte Fassbaender, 79-jährige Mezzosopran-Ikone des 20. Jahrhunderts, hat nicht nur immer wieder die dramatische Riesenpartie der Amme gesungen, sie war darin schon 1964 eine „Ungeborene“ und die „Stimme von oben“ in der Wiedereröffnungssaison des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Münchner Nationaltheaters. Nach Innsbruck 2004 widmet sie sich am Kieler Opernhaus nun zum zweiten Mal dem symbolträchtigen Mammutwerk als Regisseurin. „Aber doch anders, neu überdacht, vertieft“ – und mit ganz anderem Bühnenbild.

"Strauss war ein Frauen-Komponist"

„Das Werk ist sowieso unerschöpflich in seinem Gehalt“, schwärmt Fassbaender. „Strauss war ein Frauen-Komponist: Es gibt schauspielerisch großartige Rollen für die drei, die Kaiserin, ihre Amme und die Färberin.“ Sie stehe aber zu ihrer Grundkonzeption, das Stück so klar und einfach auf die Bühne zu bringen wie möglich, da es so kompliziert sei. Und ich habe hier wunderbare Sängerschauspieler. So blüht die Fantasie auch durch sie immer weiter.“

Kaiserin und Färberin im Zentrum

Fassbaender ist ganz besonders die Entwicklung von Kaiserin und Färberin wichtig. „Die Amme verharrt; der Kaiser entwickelt sich als sexuell gesteuerter Jäger letztlich nicht entscheidend; und der Färber Barak ist von Anfang so wie man sein möchte: der tolerante, zutiefst menschliche Partner.“

Vertrauen in der Partnerschaft

Es gehe um das Vertrauen, das man sich in einer Partnerschaft erweben müsse. „Der brennende Kinderwunsch von Barak, den die Frau nicht teilt, und der brennende Schattenwunsch der Kaiserin als faszinierend vielschichtige Metapher für die Gebärfreudigkeit“, so die Regisseurin. Auch Keikobads Geisterwelt ist ihr wichtig, um der Prüfungsthematik à la Zauberflöte gerecht zu werden: „Das Verständnis von Liebe als umfassende Kraft im Leben der Menschen, die Fähigkeit zum Mitleiden ist das Thema.“

Inszenierung in der Entstehungszeit angesiedelt

Angelegt ist die Inszenierung – das erinnert an Kirsten Harms’ vielleicht bedeutendste Kieler Regietat von 1996 – in der Entstehungszeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Die alte Welt der Kaiser drohe zu erstarren, im Kontext von deprimierender Zerstörung keime Hoffnung.

Impressionistisches Sternengefunkel der Partitur

Die Kaiserin ringt sich aus Mitleid mit dem Färberpaar den Schrei „Ich – will – nicht!“ ab. Das „Sternengefunkel“, das darauf musikalisch folge, sei unfassbar gut komponiert, so Generalmusikdirektor Georg Fritzsch. Überhaupt findet der Dirigent eine „ganz eigene Welt“ in der Partitur, nicht selten impressionistisch schillernd, „visionär traumhaft und doch wahrhaftig, an Reichtum nicht zu überbieten“. Fritzsch weiter: „Man staunt, was Strauss in kurzer Zeit mit wenigen Musikern in Ariadne auf Naxos und mit riesigem Orchester in Frau ohne Schatten einfällt.“

Kräftige Striche, volles Orchester

Theaterpraktisch übliche, kräftige Striche halten unter seiner Leitung vor allem gegen Ende grenzwertige Zumutungen für die Sänger gering. Strauss sei ja mit ihnen einverstanden gewesen. Das Orchester wird in voller Größe spielen. Das Schlagwerk wird dafür live aus dem Klaiber-Studio übertragen.

Fünfte Zusammenarbeit Fritzsch & Fassbaender

Kiels scheidender GMD zeigt sich überaus glücklich, das Intendant Karasek seinem Wunsch gefolgt sei, für seine allerletzte Neuproduktion am Haus Brigitte Fassbaender zu holen. „Sie steht für mich für die Tradition eines zutiefst ernsthaften Musiktheaters.“ Der aktuell fünften Zusammenarbeit werde mit Flotows Spieloper Martha eine sechste beim Jennersdorf Festivalsommer im österreichischen Burgenland folgen. Rekordverdächtig ist: Innerhalb einer Woche wird Fritzsch Wagners kompletten Ring des Nibelungen (in Genf) und zweimal hier Frau ohne Schatten dirigieren. „Das ist ein Fest. Hoffentlich finde ich vor lauter Euphorie noch in den Schlaf ...“

Premiere am Sa, 9. März 2019, 17 Uhr. Restkarten: 0431 / 901 901. www.theater-kiel.de

Von Christian Strehk

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