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Kultur Aus dem Hochschullabor
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20:00 26.04.2016
Von Dr. Christian Strehk
Das Orchester der Musikhochschule Lübeck war wieder beim Brahms-Festival aktiv. Quelle: Olaf Malzahn
Büdelsdorf

Eine knappe Proben-Woche muss dann genügen, um aus lauter Einzelkämpfern einen Organismus mit gemeinsamem Atem zu formen. Diese Herkules-Aufgabe oblag in diesem Jahr dem Gastdirigenten Christoph Adt, Vizepräsident der Münchner Musikhochschule – und das auch noch mit einem besonders anspruchsvollen Programm rund um die hohe Kunst der entwickelnden Variation von thematischen Motiven.

 Adt setzte beim Konzertableger des Brahms-Festivals in der recht ordentlich besuchten Aco-Thormannhalle am Büdelsdorfer Ahlmannkai auf die Stärke der Jugend, sich zwischen flüsterleise und lauthals in die Ausdrucksextreme von Beethovens Leonoren-Ouvertüre, Richard Strauss’ fatalistischen Metamorphosen für 23 Solostreicher und Brahms’ hochkomplexer Vierter Symphonie reinzuhängen.

 Bis zu wirklich gediegener Orchesterkultur wäre es dabei aber noch ein gutes Stück des Wegs. Die Bläser müssten sich für die Balance und saubere Intonation der Akkordtürme noch genauer untereinander absprechen und verantwortlich fühlen; die Streicher sich auf einheitliche Artikulationsvarianten und Vibratotechniken einigen; alle zusammen die rhythmische Präzision verbessern helfen.

 Der Dirigent Christoph Adt zeigte mehr Sinn für die weichen emotionalen Wellen in Strauss’ Metamorphosen als für die eigentlich knorrige Intelligenz der Brahmsschen Verwandlungskünste. Da wurde jenseits des tatsächlichen Notentextes das Rückgrat der e-Moll-Symphonie beispielsweise durch Temposchwankungen aufgeweicht, fehlte dem allzu aufgedonnerten dritten Satz das vorgeschriebene Totentanz-Spielerische (“Allegro giocoso“) und dem Finale die historisierende Passacaglia-Strenge. Spannend war das Konzert aus dem Hochschullabor aber vielleicht gerade wegen der Defizite.

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