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Kultur Der Vogelhändler: Quirlig, quietschbunt
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09:01 10.03.2020
Temperamentvolles Bühnengeschehen: Szene aus Zellers „Der Vogelhändler“ mit Fabian Christen (Adam) und Ensemble. Quelle: Matzen/Landestheater
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Flensburg

Weil Regisseur Roland Hüve für die neue Produktion von Carl Zellers "Der Vogelhändler" am Flensburger Theater die Handlung aus feudalem Gestern ins bürgerliche Hier und Heute hievte, führte das prompt zu weiterem, anachronistischem Wirrwarr ohne sinnstiftende Relevanz.

Eine flotte, bunte Aufführung in Flensburg

Ungeachtet solcher Einwände und der Tatsache, dass es mit der bei Operetten besonders wichtigen Textverständlichkeit haperte, die Landessinfoniker anfangs arg laut tönten und die Chöre ihnen schon mal enteilten, erlebte man eine flotte, bunte und musikalisch überzeugende Aufführung dieser ewig jungen Erfolgsoperette, deren quietschbunte, augenzwinkernde Ausstattung Sibylle Meyer besorgt hatte.

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Vielbeschäftigter Chor

Der vielbeschäftigte Chor (Einstudierung: Bernd Stepputtis) hatte als malochendes Schlosspersonal, Tiroler Landvolk und piekfeine Party-Gesellschaft reichlich Gelegenheit für quirlige Aktivität, phonstarke Präsenz und sentimental angehauchte Klangfülle, während die Landessinfoniker unter Ingo Martin Stadtmüller die virtuose Satztechnik und kompositorische Fantasie Carl Zellers vor allem in den ausladenden Finalnummern mit gehörigem Drive auszukosten verstanden.

Gewollt blässliche Männerriege

Regisseur Roland Hüve lässt die Männerriege mit ihren diversen Liebes- und Geldnöten gewollt blässlich aussehen: Kai-Moritz von Blankenburg gerierte sich als pseudomächtiger, allzeit bestechlicher Filou Weps mit deutlich versiegendem Sarkasmus bis zur faden Punktlandung im finanziell reich ausgestatteten Ehehafen, während Möchtegern-Casanova Stanislaus trotz allem vokalem Glanz von Ralf Simon das verdiente Nachsehen hatte. Beide Herren punkteten zudem als überdrehte Erzkomödianten, als sie auch noch die beliebte Klamottennummer der verzopften „Prodekane“ in quietschvergnügter Albernheit übernahmen.

Fabian Christen war ein sympathisch-bodenständiger Adam mit feinem Tenortimbre, sorgfältiger, passionierter Deklamation und gewinnender Bühnenpräsenz: rollengemäß ein bisschen begriffsstutzig, aber erfrischend normal inmitten überdrehter Zeitgenossen.

Die Damen emanzipiert und tough

Emanzipiert und tough die Damenriege: eine umwerfend komische und selbstironische Eva Schneidereit mit herrlichem Mezzo als schwerreiche Adelaide voller unübersehbarer Heiratsabsichten nebst Anna Schoeck in darstellerischer wie stimmlicher Topform als berechtigt eifersüchtige Marie Fürst mit prachtvoller Heroinenattitüde.

Last but not least eine ganz bezaubernde Post-Christel, die Christina Maria Fercher mit strahlendem Sopranglanz, subtil gurrender Sensibilität nebst darstellerischem Charme zu „everbodys darling“ des Abends machte.

Weitere Aufführungen:

10.3., 24.3., 8.4. Stadttheater Flensburg; 22.3., 12.4. Stadttheater Rendsburg; 3.4. Stadthalle Neumünster. www.sh-landestheater.de

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