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11:00 15.02.2015
Von Konrad Bockemühl
Foto: Hellmuth Rilling dirigierte die Chorakademie.
Hellmuth Rilling dirigierte die Chorakademie. Quelle: Michael Latz (Archiv)
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Schleswig

Mit Helmuth Rilling (81) hatten sie bereits zum zweiten Mal einen der profiliertesten Bachinterpreten unserer Zeit als Lehrer. Im Ergebnis war es allenfalls die hallende Akustik des Schleswiger Domes, die den perfekten Wohlklang des erlesenen Ensembles trübte. Stimmlich ausgewogen, feinstens differenziert und sinnreich pointiert erklangen vier Bach-Motetten als Abschluss der zweiten Arbeitsphase. Rilling kombinierte sie mit der Orchestersuite Nr. 3 D-Dur, die auch jenseits der populären Air das Orchester der Musikhochschule Lübeck zu barockem Glanz beflügelte und damit aus der gebotenen Zurückhaltung in der Begleitung der doppelchörigen Motetten befreite. Hier glänzten die Stimmen, perlten präzise die schnellen Läufe, strömten polyphone Linien in sattem Klang und frappierender Transparenz. Auch deklamatorisch gaben sich die Sänger aus vier Erdteilen keine Blöße.

 Das leider unzureichend beworbene Konzert hätte mehr Zuhörer verdient gehabt. Und hier liegt jenseits des hohen künstlerischen Renommees das Problem für Rolf Beck als Leiter der 2013 aus dem SHMF verselbstständigten Chorakademie. Jenseits etablierter Konzertreihen ist es schwierig, Kosten einzuspielen. Eingebunden etwa in das Hamburger Festival „Lux Aeterna“ war Tan Duns Water Passion als aufwendige Inszenierung ein großer Erfolg, in der Wiederholung in Lübecks St. Jakobi freilich erwies sich das ambitionierte Projekt mit dem chinesischen Komponisten und Chorleiter als (finanzieller) Kraftakt.

 Während Beck derzeit das Pfund hoher Qualität mit Lübeck-Ausstrahlung in die Verlängerungs-Verhandlungen mit der Possehl-Stiftung als Hauptsponsor einsetzt, gibt es reichlich Einladungen zu (fremdfinanzierten) Auslandsgastspielen. So geht es im Juni nach Südamerika (Carmina Burana), wo Beck im brasilianischen Bahia auch noch Starthilfe für eine Orchesterakademie leisten will. Ähnliches ist später in Schanghai geplant – China steht ebenfalls fest auf dem Akademiekalender: 2015 etwa mit Schönbergs Gurreliedern unter Peter Ruzicka.

 Sein hiesiges Messias-Projekt hat Beck auch wegen der unsicheren Zukunft der Ostsee-Akademie Travemünde als idealer Probenort für den Chor auf 2016 verschoben – noch eine Herausforderung, aber für Beck, der gerade 70 geworden ist, kein Anlass zur Resignation. Die Weihnachtskonzerte im hohen Norden hingegen, wohl mit Nils Landgren, dürften dank einer Zusammenarbeit mit verschiedenen Stadtwerken wieder gesichert sein. Und Hellmuth Rilling hat das von ihm hoch geschätzte Ensemble erneut zu Aufführungen des Weihnachtsoratoriums nach Baden Württemberg eingeladen.