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Kultur Krimi-Atmosphäre ohne Fiktion
Nachrichten Kultur Krimi-Atmosphäre ohne Fiktion
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11:56 21.02.2019
Von Sabine Tholund
Christian Redl gab eine Lesung im Kulturforum Kiel. Quelle: Björn Schaller
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Kiel

Christian Redl kann herrlich finster dreinschauen, sein markantes Gesicht unter dem glattrasierten Schädel ist bekannt aus zahlreichen Fernsehkrimis. Und so eignet sich der mehrfach preisgekrönte Schauspieler, der übrigens in Schleswig geboren wurde, hervorragend als Vorleser für die inszenierte Lesung, die das Magazin Stern Crime zusammen mit dem Sankt Pauli-Theater seit einem Jahr auf Reisen schickt, um unter dem Titel „Wahre Verbrechen – Wahre Geschichten“ authentische Fälle vorzustellen – in reißerischer Aufbereitung.

Bei seinem Auftritt im Kulturforum hüllt sich der Mensch Christian Redl komplett in Schweigen und beschränkt sich ganz auf seinen Vortrag. Dazu wandern Bilder über die Leinwand hinter ihm: Fotografien von düsteren Kellerräumen sieht man da und Schnappschüsse von lachenden Menschen,  teilweise effektvoll verzerrt. Wohlige Krimi-Atmosphäre entsteht im Zusammenspiel mit dramatischer Musikuntermalung. Nur handelt es sich hier nicht um Fiktion. Doch die Fallakten sind beinahe literarisch aufgepeppt.

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Ein seltsames Format

So schildert etwa Anette Lache den Fall der „mörderischen Witwe“  Estibaliz C. mit so viel  Sinn für grausige Pointen, dass das Publikum  sich oft eines Lachers nicht erwehren kann. Zerteilt von einer Kettensäge, landen die sterblichen Überreste  der unliebsam gewordenen Lebensgefährten von Estibaliz in diversen, mit Beton aufgefüllten Behältnissen.

Unwillkürlich muss man schmunzeln ob des kühlen Pragmatismus der Täterin, die Geschichte ist so angelegt. Ein seltsames Format.  Redl passt seine Mimik dem Tonfall der Texte an – und verlässt am Ende die Bühne genauso wortlos, wie er gekommen ist.