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Kultur Schauerlich, skurril und spannend
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09:41 07.11.2019
Von Sabine Tholund
Im Werftpark auf der Insel: Regisseur Christoph Busche (li.) und Schauspieler Sebastian Kreuzer (Dr. Moreau). Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Eine Insel irgendwo im Nirgendwo. Seltsame Dinge gehen auf dem Eiland vor sich, auf dem Doktor Moreau seine Experimente zur Züchtung einer Spezies zwischen Mensch und Tier vorantreibt. Als Schiffbrüchiger strandet hier der junge Edward Prendick, gerettet von einem zwielichtigen Arzt, der Moreau Tiere auf die Insel liefert.

Der Schiffbrüchige ist hier ein Umwelt-Aktivist

Busches Kieler Inszenierung verdichtet die Handlung auf das Mit- und Gegeneinander der drei Hauptfiguren, verzichtet dabei aber keineswegs auf die Elemente des guten alten „gothik horror“. „Wir konzentrieren uns auf das Dreiecksverhältnis der Hauptfiguren und ihre sehr unterschiedlichen Positionen“, so der Regisseur. Angelehnt an die reale Person des Niederländers Boyan Slat, der 2018 das Projekt „Ocean Clean Up“ zur Rettung der Weltmeere ins Leben rief, ist Prendick bei ihm ein Aktivist im Kampf gegen die Verschmutzung durch Plastik in den Ozeanen. „Im Roman ist er eher ein unbeschriebenes Blatt. Bei uns ist er ein Idealist – genauso wie Moreau, der sicher ist, mit seiner Forschung etwas Gutes für die Menschheit zu tun.“

Der Arzt als schrulliger Charakter

Zwischen beiden steht der Arzt Montgomery, der als triebgesteuerter Mensch den Kreaturen des Wissenschaftlers durchaus nahe steht. „Moreau will die Menschen verbessern, indem er ihnen das instinkthafte Verhalten austreibt“, so Busche. „In seiner Gott-Fantasie erleidet er einen gewissen Realitätsverlust und kann als schrulliger Charakter verstanden wissen.“ Für Sebastian Kreuzer, der den Wissenschaftler spielt, ist es wichtig, die Figur dennoch nicht der Lächerlichkeit preiszugeben, sondern sie in ihren Grundansatz ernst zu nehmen. Allerdings müsse man sich fragen, inwieweit man diesem Ansatz folgen will. „Was passiert, wenn man den Menschen das Menschliche austreibt? Manche Dinge werden erst schrecklich, wenn man sie zu Ende denkt.“

Die Zuschauer werden als "Kreaturen" direkt angesprochen

Wie seine Produktion "Gefangen im Packeis" in der vergangenen Spielzeit wird Busches Inszenierung von "The Island" auf der Probebühne gespielt, für die Lisa Überbacher mit reduzierten Mitteln eine schwüle Dschungelatmosphäre geschaffen hat. Zwei Zuschauertribünen begrenzen die Spielfläche – Busche mag die Intimität, die auf diese Weise entsteht. Die Zuschauer werden während des Spiels als „Kreaturen“ direkt angesprochen und so direkt ins Geschehen involviert.

Die Unterhaltung soll im Vordergrund stehen

Aber keine Sorge, Mitmach-Theater hat der Regisseur nicht im Sinn. „Das Publikum darf sich am Ende fragen, wieviel von einer Moreau-Kreatur in uns allen steckt“, sagt Christoph Busche, für den trotz kritischer Gedanken zu Wissenschaft, Maßlosigkeit und der Sorge um die persönliche Freiheit die Unterhaltung im Vordergrund steht. „Wir erzählen eine spannende Schauergeschichte mit skurrilen Momenten, bei der man sich mit wohligem Grusel zurücklehnen kann.“

Junges Theater im Werftpark. Premiere am Sonnabend, 9. November, 19 Uhr.

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