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Kultur „Big Bach“ und einiges mehr
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14:00 09.08.2019
Von Dr. Christian Strehk
Christoph Eschenbach probt mit dem Schleswig-Holstein Festival Orchestra in der ACO Thormannhalle Büdelsdorf. Quelle: Marco Ehrhardt
Büdelsdorf

Wenn Christoph Eschenbach aus seinem selbsterklärten „Jungbrunnen“ steigt, sprich: das Pult des blutjung besetzten Schleswig-Holstein Festival Orchester nach der Probe verlässt, geschieht das mit 79 Jahren vielleicht nicht mehr ganz so behände wie vor zehn oder mehr als dreißig Jahren.

Leitfigur der SHMF-Orchesterakademie

Aber die künstlerische Leitfigur der Orchesterakademie, die schon deren Gründungsphase neben Leonard Bernstein mitgeprägt hat, hat sich wieder Enormes vorgenommen. „Besonders der Hindemith ist wirklich ein richtig schweres Stück“, so Eschenbach mit Blick auf einen der „Big-Bach“-Bausteine, die Werke des Thomaskantors ins Großsinfonische übertragen.

Christoph Eschenbach probt mit dem Schleswig-Holstein Festival Orchestra in der ACO Thormannhalle Büdelsdorf.

SHFO: Leistungsfähige Nachwuchs-Elite

Der Maestro zögert nicht lange, wenn er bedenkt, dieses Repertoire des 20. Jahrhunderts in wieder extrem knapper Probenzeit zu bewältigen. Denn auch er registriert ein leistungsfähiges Ensemble, das bereits einen gemeinsamen Sound zu entwickeln beginne. Wenn Ottorino Respighi das Bass-Thema von Bachs Orgel-Hit BWV 582, der Passacaglia und Fuge c-Moll, als riesige Crescendo-Wellen die ACO Thormannhalle fluten lässt, ist man schon tief drin im System Eschenbach.

Christoph Eschenbach als Inspirator

Hatten Sanderling und Honeck unerbittlich mit Details jongliert, steht beim Nestor das Aufeinanderhören und Miteinanderverschmelzen im Vordergrund. Er ist ja kein Taktschläger und Einsatzgeber, sondern Inspirator. Deshalb sind die Aufführungen bei ihm auch immer wichtiger als die entsprechend knapp gehaltene Probenzeit. Und man erlebt, dass Eschenbach die magische Abmischung der Streicher mit den Saxofonen, die ein moderner Klassiker und Instrumentationshexer wie Arthur Honegger angesichts von Bachs Präludium und Fuge C-Dur BWV 545 ins gar nicht mehr neobarocke Arrangement mogelt, mehr interessiert als scharf abgegrenzte Einsätze.

Erst Bach-Bearbeitungen, dann Mahlers „Sechste“

Grammy- und Ernst-von-Siemens-Musikpreisträger Christoph Eschenbach tritt als Nachfolger von Iván Fischer am 30. August als neuer Chefdirigent des Konzerthausorchesters Berlin an. Während er in Schinkels Schauspielhaus dann Gustav Mahlers monumentale „Achte“ dirigiert, erarbeitet er mit der SHFO-Nachwuchselite aus 27 Nationen in Büdelsdorf demnächst Mahlers „Sechste Symphonie“. Die Proben dazu beginnen am 12. August um 16 Uhr. Die Generalprobe ist Sa 17.08. um 16 Uhr in der ACO Thormannhalle geplant (Karten: Tel. 0431-23 70 70). Konzert ist am 20. August um 20 Uhr in der Elbphilharmonie (ausverkauft).

Vorher stehen aber Bach-Bearbeitungen von Respighi, Honegger, Webern und Hindemith auf dem Programm. Generalprobe am 09.08., 20 Uhr (Tickets: 0431 / 23 7070). Und die Vorbereitung des Lübecker Festkonzertes zur Verleihung des Bernstein Awards an die Mezzosopranistin Emily D’Angelo mit Werken von Bach, Mozart und Rossini. Öffentliche Proben in der ACO Thormannhalle Büdelsdorf (Am Ahlmannkai).  Proben-Info: Tel. 0451 / 389 57 20. Internet: www.shmf.de/de/festivalorchester

Effekte der Orchesteraufstellung

Wenn dann in historischer, „altdeutscher“ Aufstellung musiziert wird, höre man das „Pingpong“ der Themen und Kontrapunkte zwischen den Violinen viel besser stereofonisch. Denn die beiden Violin-Gruppen sitzen sich hier links und rechts an der Bühnenkante gegenüber. „Außerdem fühlen sich die Zweiten Violinen dann nur noch als Violinen – und damit zu Recht bedeutender“, so der Dirigent. Er verfahre nur noch so, wo er auch hinkomme. „Auch haben es die Ersten Violinen so viel leichter, wirklich sauber zu intonieren, weil direkt neben ihnen die Celli und Kontrabässe als Bassfundament konzentriert sind und als Bezugspunkt dienen.“

Rag Time (wohltemperiert) von Hindemith

Für die Bach-Fans und -Bearbeiter Respighi, Honegger oder Anton Webern war diese Aufstellung noch die übliche. Abgeschafft wurde sie erst in den Dreißiger Jahren von den amerikanischen Schallplattenfirmen. Auch Paul Hindemith bezog sich noch auf sie, als er 1921 die c-Moll-Fuge aus dem ersten Teil des Wohltemperierten Klaviers aufgriff und rotzfrech in einen Rag Time (wohltemperiert) verwandelte. Innovativ integrierte er auf diese Weise den Vorläufer des Jazz in die Kunstmusik.

www.shmf.de

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