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Kultur Video: Michael Freimuth auf der KN-Bühne
Nachrichten Kultur Video: Michael Freimuth auf der KN-Bühne
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16:20 29.04.2020
Von Christian Strehk
Auf einer Laute aus dem Jahr 1740: Michael Freimuth auf der KN-Bühne in der Kundenhalle des Verlags. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Um seine sensibel reagierenden Zupfinstrumente möglichst sauber gestimmt spielen zu können, habe er jedes Stück von zwei Meistern aus der prachtvollen Kapelle des Sonnenkönigs und seines Urenkels Ludwig XV. extra einzeln aufgenommen: Werke von Robert de Visée (1650 – 1725) und Francois Campion (1686 – 1747).

Michael Freimuth spielt Original-Laute von Antony Posch aus Wien

„Besonders die tatsächlich noch im Korpus originale Laute des Wiener Geigenbauers Antony Posch von 1740 ist am anfälligsten vom Tonlichen her. Die Saitenspannung ist nicht sehr hoch und man muss besonders vorsichtig zupfen“, so Michael Freimuth. Eine echt historische Laute im spielfähigen Zustand sei sehr selten. Aber selbst unter akustisch nicht optimalen Verhältnissen genießt man ihren auffällig warmen Klangcharakter.

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Neues Barockgriffbrett für das Repertoire um Bach

Das im 19. Jahrhundert umgebaute und nun auf verbriefte Modelle der Barockzeit zurückgeführte Griffbrett hat Freimuth in der abgeknickten Bauart gewählt: „Das hat den Vorteil, dass man mit der linken Hand den großen Teil der Saiten abgreifen kann, was zum Beispiel bei Bach erforderlich ist.“

Perkussive Barockgitarre mit Harfen-Effekten

Die Temperamente der Instrumentaltypen, die Freimuth auf der KN-Bühne kurz erläutert, sind ganz unterschiedlich. Da gibt es als Kontrast etwa die fröhlich freche Barockgitarre, die „als eher perkussives Volksinstrument einfacher zu spielen“ sei, allerdings mit einer anderen Saitenstimmung für moderne Gitarristen auch ihre Hürden hat. Und sie erlaube harfenartige Effekte, die sich auf heutigen Konzertgitarren nicht realisieren ließen.

Tabulaturen für den richtigen Griff

Notiert ist das Repertoire nicht etwa in Notenschrift, sondern als Griffschriftsystem oder Lauten-Tabulatur: „Eine Welt für sich, ja, aber auch eine große Vereinfachung für den Spieler. Man weiß dadurch genau, wie man greifen muss und kann das theoretisch auch in unterschiedlichen Tonarten tun“, so der Spezialist.

Eine Musette-Komposition erinnert an einen kleinen Dudelsack

Auch de Visées zauberhafte Musette sei typisch Paris und verweise auf ein weiteres historisches Instrument: Eine Musette de Cour war nämlich „ein kleiner, feiner höfischer Dudelsack, der nicht angeblasen, sondern mit einem Blasebalg unterm Arm betätigt wurde.“ Für die Theorbe, der Laute mit den Basssaiten auf einem zusätzlichen, zwei Meter langen Griffbrett, sei hier also Hirtenthematik in die französische Kunstmusik aufgegriffen worden. „In einer Rameau-Oper an der Bayerischen Staatsoper habe ich tatsächlich mal zwei französische Spieler mit Musette-Instrumenten im Graben erlebt“, erzählt Michael Freimuth.

KN-Bühne: Spendenaktion

KN-Bühne: So können Sie freie Künstler aus der Region unterstützen

Die KN-Bühne lädt von Di-So jeweils um 20 Uhr auf KN-online zur Vorstellung und bietet den vom Veranstaltungsverbot der Corona-Krise schwer betroffenen freien Künstlern eine Plattform.

Spenden für die Künstler sind erwünscht: auf dem Spendenkonto „KN hilft e.V.“ bei der Förde Sparkasse (Konto DE05 2105 0170 1400 2620 00). Die Spenden werden wöchentlich unter den auftretenden Künstlern aufgeteilt.

Am Mittwoch, 29. April 2020, auf der KN-Bühne: Stephan Scheja, Jazz-Pianist.

Corona: Rameaus "Castor et Pollux" in München abgesagt

Eine wehmütige Erinnerung. Denn eigentlich sollte der Alte-Musik-Spezialist demnächst anlässlich der Münchner Opernfestspiele in der Neuproduktion von Rameaus Oper Castor et Pollux mitwirken. „Da besteht nun die Gefahr, dass sie der Corona-Krise ganz zum Opfer fällt.“

Corona: Aufnahme von Bachs h-Moll-Messe unter René Jacobs verschoben

Viele solcher Absagen habe er als frei arbeitender Musiker bekommen. Zwei weitere davon tun ebenfalls besonders weh: Der RIAS Kammerchor wollte nämlich mit René Jacobs die h-Moll-Messe von Bach neu einspielen. Freimuth sollte dabei in der Akademie für Alte Musik Berlin mitwirken: „Da habe ich aber vielleicht noch die Aussicht, dass das nur verschoben ist. Jetzt aber war da keine Chance: René hätte ja – aus Paris kommend – erstmal vierzehn Tage in Quarantäne gemusst; und wie soll man in einem Berliner Studio den Chor und die Instrumentalisten auf Abstand aufstellen?“

Corona-Verlust: Biber-Sonaten mit Mayumi Hirasaki

Dann seien ihm noch alle Biber-Sonaten „mit der bravourösen japanischen Barockgeigerin“ Mayumi Hirasaki entglitten. „Und da weiß ich genau, was mir entgeht, weil wir das schon einmal gemeinsam für den Deutschlandfunk beim Musikfest Erzgebirge musiziert haben.“

Diese Künstler standen schon auf der KN-Bühne - zu den Videos:

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