Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur Spiel mit der Wahrnehmung
Nachrichten Kultur Spiel mit der Wahrnehmung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:10 21.03.2019
Von Sabine Tholund
Ein subtil arrangierte, stille Ausstellung: Pernille Egeskov zeigt ihre Arbeiten im Haus 8 im Anscharpark. Quelle: Marco Erhardt
Anzeige
Kiel

Man kann ihre Werke, sagt die 49-Jährige, "als einen existenziellen Output betrachten, gleichzeitig sind sie eine Veranschaulichung dessen, was es bedeutet, als Einzelmensch in Europa zu leben“. So hängt ein Objekt aus Holz und Papier an einer Wand im Haus 8. Genau 28 weiße, transparente Blätter sind zwischen zwei Latten gespannt, auf jedes wurde mittig das Wort „Europa“ geschrieben. Übereinandergelegt, ist der Schriftzug nicht mehr deutlich lesbar. „Wir verlieren das Wort und bekommen etwas Neues. Es ist auch schön, aber anders“, sagt Pernille Egeskov.

Spuren gelebten Lebens

Sie arbeitet mit Fundstücken, meist unbedeutende Dinge, die etwas in ihr anrühren. „Ich folge der Spur von gelebtem Leben“, sagt sie und schmunzelt. „Ich benutze sensitive Materialien, sie sind der Schlüssel zum Herzen.“

Anzeige

In ihren Kompositionen führt sie diese Materialien zusammen zu abstrakten, suggestiven Erzählungen. Ein altes Taufkleid etwa hat sie wie ein Bild hinter Glas gehängt. Nach dänischer Tradition ist der Stoff bestickt, doch findet man hier nicht die Namen der Kinder, die es bisher trugen. Statt dessen ist das Wort „promise“ zu lesen, gestickt mit menschlichem Haar – blond, rötlich, braun oder schwarz. „Für die neue Existenz bedeutet dieses Wort ein wechselseitiges Versprechen“, so die Künstlerin, die all diese Arbeiten bereits 2018 in Kopenhagen gezeigt hat.

Ein Baum mit den Ästen im Boden

Meist sind es große Formate, manche wuchtig wie die drei hölzernen Objekte, die sie "Vater, Mutter und Transition" nennt. Eigentlich müsste es Vater-Mutter-Kind heißen, doch das wäre Pernille Egeskov zu einfach. „Mit „Transition“ kann jeder gemeint sein, auch unser kulturelles Erbe allgemein.“ Einen ganzen Baum hat sie auch mitgebracht. Aus einer Insel aus Wiesengrün scheint er in die Höhe zu wachsen. Dass an dem Gewächs etwas anders ist, sieht mancher vielleicht erst auf den zweiten Blick: Der Baum steht verkehrt herum, die Äste stecken im Boden, die Wurzeln ragen in die Luft. Wachstum heißt das Objekt, mit dem die Künstlerin auch mit Blick auf die Ökonomie zum Nachdenken anregen will. „Wir sehen etwas, was eigentlich nicht da ist. Und wir sollten uns fragen, was wichtiger ist: was wir sehen, oder was wir nicht sehen.“

Subtil arangiert

Das Spiel mit der Wahrnehmung ist ein zentrales Anliegen dieser subtil arrangierten, stillen Ausstellung, deren Exponate miteinander zu kommunizieren scheinen. Unweit von dem umgestülpten Baum liegt der Abdruck eines Menschen am Boden, die Umrisse geformt aus Herbstlaub. Erneut stellt sich die Frage: Sehen wir das, was da ist oder das, was nicht mehr da ist? Antworten gibt Pernille Egeskov nicht. Auch das wäre ihr wohl zu einfach.

Heiligendammer Straße 15. Eröffnung am Donnerstag, 21. März, 19 Uhr. Bis 21. April. Fr + Sa 15-18, Sa 12-18 Uhr