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Kultur Festivalorchester probt mit Ton Koopman
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18:10 08.07.2019
Da, in der Trompete, da steckt die Widerrede: Ton Koopman gestern mit dem Festivalorchester in der ACO Thormannhalle. Quelle: Axel Nickolaus
Büdelsdorf

„Un – ser Mund sei voll La – aaa – aaa – aaaachens“, singt der quicklebendige ältere Herr den perplex schauenden jungen Musikern aus aller Welt vor. Auf Englisch lässt Ton Koopman sowieso keinen Zweifel daran, dass er Bezüge zu einer gesungenen Wortmelodie nicht nur im konkreten Fall der aufgegriffenen Weihnachtskantate in Johann Sebastian Bachs prächtiger D-Dur-Orchestersuite BWV 1069 wichtig findet.

Koopman dirigiert Bach und Mendelssohn

Der 74-jährige Alte-Musik-Fachmann, Organist und Cembalist probt mit dem frisch zur Hälfte formierten Schleswig-Holstein Festival Orchester die Suite, eine eigene Bearbeitung des Tripelkonzerts C-Dur BWV 1064 für Flöte, Oboe und Violine sowie Mendelssohns Bach-nahe Reformationssinfonie.

Gesten mit bloßen Händen

Als wäre das Orchester ein Tasteninstrument mit mehreren Manualen greift Koopman mit seinen entsprechend gekrümmten bloßen Händen in die Vollen, um Taktschwerpunkte zu betonen. Spaß macht es ihm sichtlich, dagegen aufbegehrende Synkopen der Bläser zu verstärken. Oder er schlägt die Hand vor den Mund, um gleichsam erschrocken Unbedeutenderes in der Klangrede in ein Flüstern zurückzunehmen.

Stilfragen der Barockzeit

Ein Vibrato muss er den Streichern nicht abgewöhnen. Inzwischen hat sich überall auf der Welt herumgesprochen, dass damit in der Barockmusik sparsamst umzugehen ist. Dennoch bleiben Stilfragen für die Musikerinnen und Musiker zu klären, die ja auf modernem Instrumentarium, mit romantischen Bögen und Stahlsaiten spielen: „In dieser Epoche intonierten alle die durch eine Kreuz-Vorzeichnung erhöhten Töne eher tief, aber das will ich euch gar nicht abverlangen“, so der kundige Maestro. Nur bitte auch nicht das Gegenteil anbieten ...

Koopmans rasante Tempi

Kleine Vorwarnung: „Das wird schnell ...!“ Obwohl Koopman lauter Virtuosen vor sich hat, bringt er sie mit seiner rasanten Tempovorstellung für die Bourrée sofort an ihre Grenzen. „Normales Atmen ist da nicht möglich“, gibt der Dirigent dem ratternden Fagott gegenüber zu. Manchmal sei eben auch der Mut gefragt, in einer Kette mal eine Perle unter den Tisch fallen zu lassen, um nicht später anzukommen als die anderen.

Generalbass-Spieler als Jazzer der Barockepoche

Wenn es irgendwo klemmt, setzt er sich auch mal im probenden Festivalorchester ans Cembalo und improvisiert über den Generalbass. Sind echte Barockmusiker eigentlich verkappte Jazzer? Koopman fände das toll, wenn es so wäre – bei entsprechendem Know How von Stil und Harmonielehre des 17. und 18. Jahrhunderts. „Mein Vater war Jazzmusiker. Ich habe zu Hause viel Jazz miterlebt, bin aber kein Jazz-Liebhaber. Aber meine jüngste Tochter singt Jazz und kann sehr gut improvisieren.“ Es gebe aber leider viel zu wenige wirklich gute Continuo-Spieler in diesem Sinne.

Kein Tag ohne Bach, sieben Konzerte beim SHMF

Ein Tag ohne Bach? „Das ist nix!“, hat der Präsident der Internationalen Buxtehude-Gesellschaft und Leiter des Amsterdam Baroque Orchestra gerade im Bayerischen Rundfunk zu Protokoll gegeben. Sieben Konzerte wird er vom morgigen Mittwoch an beim SHMF spielen oder dirigieren. Immer kommt dabei der Schwerpunkt-Komponist Bach vor. Und zweimal auch die Kantate Unser Mund sei voll Lachens.

Informationen zu den Proben

www.shmf.de/de/proben-shfo-2019

Mehr zur Kultur in der Region lesen Sie hier.

Von Christian Strehk

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