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Kultur In Schumanns Zaubergarten
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17:12 12.08.2018
Foto: Eindeutige Zeichengebung: Vladimir Jurowski dirigiert das Festivalorchester mit dem exponierten Streichoktett für Zenders "Schumann-Phantasie" im gut geeigneten Kieler Schloss.
Eindeutige Zeichengebung: Vladimir Jurowski dirigiert das Festivalorchester mit dem exponierten Streichoktett für Zenders "Schumann-Phantasie" im gut geeigneten Kieler Schloss. Quelle: Erik Nielsen
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Genau hier war der Komponist Zender Ende der Sechziger Jahre als junger Generalmusikdirektor in dem damals ganz neuen und neuartigen Konzertsaal aktiv gewesen.

Schumanns Phantasmagorien unter der Lupe

Jetzt beweist der zukünftige Chefdirigent der Bayerischen Staatsoper, Vladimir Jurowski, dass es sich lohnen würde, die abgetakelte Hülle wieder als architektonischen Edelstein des 20. Jahrhunderts aufzupolieren. Denn man erlebt hier sehr unmittelbar, wie genau Zender die traumhaften und nicht selten traumatischen romantischen Phantasmagorien Schumanns unter die Lupe seines modern geschulten Ohrs nimmt, wie er Dissonanzen heraushebt, die Orchestrierung ins Grelle übersteuert, Brücken ins Heute baut.

Jurowskis Klangregie der Raummusik

Wie Jurowskis Klangregie Zaubergarten-Atmosphäre schafft, die Raummusik der Hörner und des Sopran-Saxofons sogar von außerhalb des Saales abruft, das frontal positionierte solistische Streichoktett mit seinen Klangsplittern ins Tutti hinein- und ausblendet – all das erregt Aufmerksamkeit.

Konstruktion eines zweiten Schumann-Klavierkonzerts

Als weiteren Beitrag zum Schumann-Schwerpunkt konstruiert Lisiecki auf Grundlage von "Introduktion und Allegro appassionato G-Dur op. 92" ein Raritäten-Kabinett zu einer Art dreisätzigem zweitem Klavierkonzert. Als Mittelsatz korrespondiert das hingetupfte "Nachtstück op. 23 Nr. 1" mit dem Finale, dem Konzert-Allegro d-Moll op. 134, einem der zu Unrecht beargwöhnten Spätwerke Schumanns. In grenzwertig raschen, aber unbeschwerte Frische schaffenden Tempi ist der Pianist ein eindrucksvoll profilierter Interpret. Auch seine Zugabe, Schumanns "Träumerei", hört man nicht alle Tage so fein und flüssig.

Von Christian Strehk