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Kultur „Raritäten der Klaviermusik“ 2020
Nachrichten Kultur „Raritäten der Klaviermusik“ 2020
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15:05 03.02.2020
Marc-André Hamelin Quelle: Sim Cannety-Clarke
Hamburg

Ob man es glaube oder nicht, ein Virtuose zu sein, interessiere ihn nicht, sagt Marc-André Hamelin. Wer den kanadischen Pianisten aber einmal gehört hat, der könnte zuweilen meinen, er hätte mehr als zwei Hände – so atemberaubend virtuos, aber gleichzeitig ganz leicht und natürlich spielt er die halsbrecherischsten pianistischen „Gemeinheiten“.

Debüt in der Elbphilharmonie: Marc-André Hamelin

Zu erleben war Hamelin jetzt bei seinem Debüt in der Elbphilharmonie in Hamburg. Und das hatten die weltweit von Klavier-Fanatikern geschätzten „Raritäten der Klaviermusik“ in Husum realisiert. Das kleine feine Festival aus der grauen Stadt an der Nordsee möchte sich und seine Idee bekannter machen. Hamelins Auftritt in Hamburg war jedenfalls ein Riesenerfolg mit stehenden Ovationen.

Vielseitiges Recital als beste Werbung für Husum

Ein stilistisch so vielseitiges Recital hat die Elb-Stadt in anderen Klavierabenden jedenfalls noch nicht erlebt. Zu Bach, Skrjabin, Liszt als bekannteste Komponisten kamen der Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel “, die Russen Catoire und Feinberg und ein Werk des Super-Klaviervirtuosen Leopold Godowsky.

Marc-André Hamelin steht Extravaganz fern

Viel Aufhebens um seine Person macht Marc-André Hamelin nicht, Extravaganz ist ihm fremd, es geht ihm allein um die Musik. Da wirkt er tatsächlich manchmal ein bisschen introvertiert. In Hamburger war er hochkonzentriert, am Anfang ein wenig nervös, er schien noch nach der rechten Balance von seinen Klangvorstellungen mit der Akustik im kleinen Saal der Elbphilharmonie zu suchen.

Meditativ und virtuos in Balance: Skrjabin und Liszt

Der Anfang von Bachs Orgelpräludium D-Dur im Klavier-Arrangement von Busoni geriet ein bisschen zu mächtig, aber dann fand Hamelin zu seiner gewohnten Klasse. Bei Skrjabins früher Fantasie op. 28 oder bei Liszts „Bénédiction de Dieu dans la solitude“ (Gottes Segen in der Einsamkeit) waren das Meditative und Virtuose in wunderbarer Balance. Esprit und Charme versprühte Hamelin mit delikatem Anschlag bei der e-Moll Sonate von Carl Philipp Emanuel Bach.

Raritäten der Klaviermusik

Ganz andere Klangwelten präsentierte er mit Catoire und Feinberg. Catoires Nocturne op. 12/3 etwa oszilliert zwischen Romantik und Impressionismus, Feinberg hat in seiner A-Dur-Sonate Strukturen und Linien komplex übereinander geschichtet. Hamelin kristallisierte die Details heraus und brachte Licht ins kompositorische Dickicht. Anspruchsvoll auch Hamelins eigene Kompositionen: seine intellektuelle Chaconne, und etwas geschmeidiger, die in atemloser Motorik rasende Toccata über das mittelalterliche Lied „L’homme armé“. Fulminant der Schluss dieses Recitals: Leopold Godowskys „Symphonische Metamorphosen über Johann Strauß ‚Wein, Weib und Gesang’“.

Hommage an Leopold Godowsky

Godowsky – einem der größten Pianisten der Klavier-Geschichte - war auch eine der insgesamt drei Zugaben gewidmet. Und Godowsky zu seinem 150. Geburtstag steht auch im Zentrum des diesjährigen FestivalsRaritäten der Klaviermusik“ in Husum (14.-22.8.) u. a. mit einer Ausstellung und einer Matinee von seinem Biografen Jeremy Nicholas (16.8.). In der Reihe „Young Explorers“ stellt Andrey Gugnin Werke, die Godowsky gewidmet wurden - u. a. von Josef Hofmann oder Theodor Leschetitzky vor (15.8.). Festival-Gründer und –Leiter Peter Froundjian hat Werke des Dänen Rued Langgaard und des russisch-norwegischen Dirigenten Issay Dobrowen ausgegraben (18.8.)., oder der junge Belgier Florian Noack wartet mit einer eigenen Bearbeitung von Rimsky-Korsakows „Scheherazade“ auf (19.8).

Informationen zum Husumer Piano-Festival

Weitere Infos: www.raritaeten-der-klaviermusik.de

Mehr zur Kultur im Norden lesen Sie hier.

Von Elisabeth Richter

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