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Kultur Untote in Partylaune
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18:26 12.12.2016
Von Ruth Bender
Sinfonie des Grauens: Nosferatu (Simon Keel), Jonathan (liegend: Johannes Lachenmeier) und die Untoten. Im Hintergrund die Band (v.li. Gabriel Coburger, Sven Kerschek, Konrad Ullrich und Matthäus Winnitzki). Quelle: henrik matzen
Rendsburg

„Ich weiß soviel, als wär ich tausend Jahre alt …“, nölt er breit wie in die Kladde. Und in der Musik steckt schon alles drin, der ganze Weltschmerz, das Rotzige und das Todesmüde, mit dem der Urvater aller Wiedergänger seit Jahrhunderten durch die Nächte spukt. Zwischen Blutdurst und Liebessehnen.

 Zwischen Vampiren und Rockstars gibt es ja immer schon eine Schnittmenge, und da ist es nur folgerichtig, dass Regisseur Wolfram Apprich seinen Nosferatu mit Musik erzählt. Der Schauspielleiter am Landestheater entfaltet den Vampirklassiker nach Filmregisseur Friedrich Murnau und Bram Stoker anhand der Fassung des preisgekrönten Hörspielautors Klaus Buhlert von 2004 und zum von Christoph Coburger eigens komponierten Soundtrack. Und die dunkel wolkigen Gedichte aus Charles Baudelaires Zyklus Die Blumen des Bösen geben dazu kongenial passende Songs ab.

 Gute Voraussetzungen also, und Wolfram Apprich zettelt gleich ein düsteres Spiel an, das zwischen Drogenrausch und Gothic-Wave-Party wabert. Mirjam Benkner hat dazu eine leicht trashig anmutende Bühne gebaut, auf der Räume und Zeitebenen locker verwirbeln. Da wird viel gekreucht und gewälzt, geruckt und gezuckt, umschlingen sich ein paar dauererregte Untote (Melina von Gagern, Lisa Karlström, Karin Winkler) – sehr aufgeregt, aber ohne dass man der latenten Erotik der blutsaugenden Geschichte beikäme. Auch schaudermäßig geht es trotz bluttriefender Bisse kaum voran: Simon Keels Nosferatu ist zwar mit modisch Iro-Undercut, Fledermaushosen und tiefergelegten Augenhöhlen ein neoromantischer Depeche-Mode-Zombie oder todesmüder Punk, hat aber jenseits des Gesangs kaum Gelegenheit, Kontur oder Tragik zu entwickeln.

 Im Reich der Lebenden folgt die Regie derweil dem Hörspiel-Ansatz, wenn die Akteure zwischen Statik und Bewegung schwirren, zwischen Transsylvanien und Wisborg, Erzählung und Figuren. Und sich dabei die Szenen erst ausmalen, in denen sie spielen. Da erscheint Neele Frederike Maaks Makler gelungener Knock zwischen Gollum und Hitler-Karikatur gruseliger als Nosferatu selbst, Uwe Kramers Van Helsing als schräge Karikatur des Eiferers. Und das junge Paar Jonathan (Johannes Lachenmeier) und Ellen (stimmig: Manja Haueis), die der blutsaugende Graf so unsterblich begehrt, sind ernsthaftere, etwas (vor der Zeit) blutleere Verwandte von Brad und Janice in der Rocky Horror Show.

 Darüber aber thront die allerbest getunte Band, die den Abend mit Coburgers widerspenstig wildem Soundtrack herrlich mutwillig befeuert. Das klingt nach Industrial, Neuer Deutscher Welle und Kurt Weill, probiert sich freejazzig aus, spreizt sich ins Kakophonische, kreischt, weint und nölt. Und die Schauspieler halten stimmlich mit, wenn auch an der Textverständlichkeit noch gearbeitet werden darf.

 Glanzlicht auf einer Inszenierung, die viel will und sich dabei selbst das Leben aussaugt: halbböse, halbkeusch, halbtragisch. Vielleicht, weil die Party erst am Ende richtig losgeht? Da erwacht die ganze Truppe zum fröhlichen Musical-Chor. Oder beginnt damit erst der eigentliche Wahnsinn? Eins jedenfalls ist klar: Die Geschichte von Nosferatu ist auch diesmal nicht zu Ende.

www.sh-landestheater.de

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