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Kultur Prominent besetzte "Masterclasses"
Nachrichten Kultur Prominent besetzte "Masterclasses"
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06:08 05.06.2019
Foto: Die Viola-Virtuosin und geschätzte Lehrerin Tabea Zimmermann (hier mit dem Ensemble Resonanz Hamburg) gehört zu den prominenten Lehrerpersönlichkeiten bei den SHMF-Meisterkursen 2019.
Die Viola-Virtuosin und geschätzte Lehrerin Tabea Zimmermann (hier mit dem Ensemble Resonanz Hamburg) gehört zu den prominenten Lehrerpersönlichkeiten bei den SHMF-Meisterkursen 2019. Quelle: Marco Borggreve
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Lübeck

Die bedeutende deutsche Bratschistin Zimmermann mache sich aber wohl auch rar, was das Unterrichten außerhalb ihrer Professur an der Berliner Eisler-Musikhochschule angeht. „Sogar ein Cello hat es in ihren wunderbar durchgeplanten Kurs geschafft. Und Bartóks Violakonzert wird anhand der Originalhandschrift zum Kursthema ...“

Lehrerpersönlichkeiten bei den SHMF-Meisterkursen

Solche Lehrerpersönlichkeiten wünscht sich die neue organisatorische Leiterin der Meisterkurse, seit jeher neben Orchesterakademie und Festivalchor eines der pädagogischen Standbeine des SHMF. Die studierte Fagottistin, die als Nachfolgerin von Wiebke Schwarz auch die Musikfeste auf dem Lande betreut, bindet mit der Flötistin Angela Firkins und dem Hornisten Christoph Eß ab 31. Juli auch zwei Professoren der Lübecker Musikhochschule ein. Mit den Dozenten Ivan Podyomov, Solo-Oboist im Concertgebouw, François Benda, Klarinettenprofessor in Berlin, sowie Matthias Rácz, Solo-Fagottist in der Tonhalle Zürich, entsteht die Möglichkeit zu Holzbläser-Ensembles.

Campus-Atmosphäre erwünscht

„Im Idealfall erreichen wir da eine Art Campus-Atmosphäre“, so Bregler, „und am 1. August werden die Lehrer sogar ein eigenes Dozentenkonzert bestreiten.“ Das ist – wie erstmals alle anderen Kurskonzerte auch – im allgemeinen Vorverkauf der SHMF-Kartenzentrale buchbar. Bregler kann auf einen Stamm von interessierten Gasthörern, zum Teil sogar als finanziell unterstützende „Paten“ zählen, wünscht sich aber grundsätzlich einen höheren Bekanntheitsgrad der Meisterkurse. Denn: Wo sonst kann man Stars der Klassikszene so nah erleben?

Heldentenor Siegfried Jerusalem unterrichtet

Gesangsfans horchen auf, wenn der Name des legendären Bayreuther Recken Siegfried Jerusalem fällt (16. bis 20. Juli). Dass der Heldentenor seine Karriere einst als Fagottist begann, ist Bregler naturgemäß zusätzlich sympathisch. Der weise Amerikaner Donald Weilerstein, Vater von Bernstein-Preisträgerin Alisa Weilerstein und Primarius des Cleveland Quartet, kümmert sich ab 26. Juli um junge Geigenkünstler. Und die Alte- und Neue-Musik-Stars Maurice Steger und Christian Lindberg (ab 18. bzw. ab 22. Juli) haben Kursangebote für die längst nicht immer im Fokus stehenden Instrumente Blockflöte und Posaune.

Mehr Auftrittsmöglichkeiten für Kursteilnehmer

„Das weitere Bestreben war, den Kursteilnehmern so viele Auftrittsmöglichkeiten wie irgend möglich zu verschaffen, da ja nun mal nicht alle im jeweiligen Abschlusskonzert spielen können. Sei es bei Kaffee und Kuchen in einem der Innenhöfe der Musikhochschule oder gleich vor 800 Leuten bei den Musikfesten auf dem Lande.“

Instrumentalunterricht reicht heute nicht mehr

Instrumentalunterricht allein, so Bregler, reiche als Angebot heute – in Zeiten großer Konkurrenz und entsprechenden Angeboten an den längst auch breiter aufgestellten Hochschulen – aber nicht mehr aus. Deshalb will sie Zusatzangebote schaffen: Gesundheitliche Prävention vor physischen und psychischen Überbelastungen steht besonders im Fokus. „Es gibt halt Musiker, die stellen sich auf die Bühne und machen Probespiele für ausgeschriebene Stellen oder spielen Konzerte, als wäre das nichts. Aber das sind die wenigsten.“

Mentaltraining wie im Sport

Inzwischen verfahre man ähnlich wie im Sport mit Mentaltraining. „Man kann Nervosität in den Griff bekommen. Und an seiner Ausstrahlung beispielsweise gleich beim Betreten der Bühne arbeiten. Denn wir alle sehen doch die feinen Unterschiede in Konzerten. Wenn man allerdings nur im Überaum sitzt, dort an Sechzehnteln feilt und auch der Professor einen nicht darauf hinweist, dann fehlt oft Entscheidendes.“ Bühnenpräsenz, gesunde Haltung, freie Atmung, Abbau von Blockaden: Dispokinesis, Alexandertechnik, Wingwave oder auch eine Moderationsschule zum Dialog mit dem Publikum und Video-Analysen sind Stichworte. Bregler: „Die Selbst- und die Außenwahrnehmung klaffen gerade bei Musikern oft weit auseinander.“

www.shmf.de/de/masterclasses-2019

Von Christian Strehk