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Kultur Weltreise mit Entdeckerlust
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06:23 27.04.2019
Romantische Operndramen und ihre Klangschattierungen: Lübecks zukünftiger Generalmusikdirektor Stefan Vladar will Dvoráks „Rusalka“ und Verdis „Simon Boccanegra“ dirigieren. Quelle: Marco Borggreve
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Lübeck

Geboten wird im Musiktheater in der kommenden Saison eine Art musikalischer Weltreise. Südamerika, Afrika, Europa und China sind die Stationen dieser Entdeckungsfahrt. Die argentinische Kurzoper Maria de Buenos Aires ist eines der Hauptwerke von Astor Piazzolla. Die allgemeine Tango-Begeisterung der letzten Jahre wird wohl dafür sorgen, dass dieses wunderbare, 1999 in der Regie von Katja Czellnik in Kiel gespielte Werk seine Zuschauer findet.

Opernraritäten von Graun bis Milhaud

Christophe Colomb von Darius Milhaud aus dem Jahr 1928 führt nach Paris und besticht durch seine Verbindung von Bühnenspiel und filmischen Einspielungen. Auch Barockoper steht auf dem Programm: Für Montezuma von Carl Heinrich Graun hat kein Geringerer als Friedrich der Große das Libretto geschrieben.

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Afrikareise mit Meyerbeer und van Schoor

Eine Kooperation im Zeichen Afrikas mit dem Theater Halle und dem Künstlerkollektiv Angermeyer/George/Somé/Traoré/van Schoor beginnt im März. Dann findet im Theater Lübeck die Uraufführung der Oper L’Européenne von Richard van Schoor statt, die später am Theater Halle gezeigt wird. Im Gegenzug kommt Meyerbeers monumentale Grand Opéra L’Africaine als Gastspiel nach Lübeck.

Shakespeare und Thomas Mann

Mit Fragen des Gesellschaftswandels will sich das Lübecker Schauspiel in der kommenden Saison beschäftigen. Schauspieldirektor Pit Holzwarth komprimiert zum Auftakt unter dem Titel Game of Crowns 1 Shakespeares düstere Königsdramen. Auch die Rosenkriege werden entsprechend verarbeitet. Tony Kushners bitterböse Bilanz der US-Gesellschaft der 1980er Jahre mit dem Titel Engel in Amerika folgt genauso wie eine „minimalpoetische Neubearbeitung“ von Gerhart Hauptmanns Debüt-Drama Vor Sonnenaufgang. Ein besonderes Projekt: Wajdi Mouawads Welterzählung Vögel über die unglückliche Liebe einer Jüdin und eines Moslems will Holzwarth in den Originalsprachen Hebräisch, Arabisch und Englisch spielen lassen. Auch ist eine Dramatisierung von Thomas Manns Novelle Tonio Kröger vorgesehen.

Mehr Zuschauer im Theater Lübeck

Erfolg macht mutig: Das Theater Lübeck verzeichnete im Jahr 2018 so viele Zuschauer wie zuletzt vor 20 Jahren. 183789 Besucher kamen in die Beckergrube und zu den Konzerten der Philharmoniker, rund 4000 mehr als ein Jahr zuvor. Schlechter sind jedoch die Eigeneinnahmen des Theaters ausgefallen: Sie betrugen knapp 3,8 Millionen Euro, gut 100000 Euro weniger als 2017. Der Geschäftsführende Theaterdirektor Christian Schwandt führte diesen Rückgang auf die zunehmende Zahl von Schülern und Studenten unter den Theaterbesuchern zurück, die stark rabattierte Karten erwerben. Insgesamt zählte das Theater 2018 rund 45000 Zuschauer, die jünger als 26 Jahre waren.

Weniger Einnahmen und ein Strukturproblem

Ein bekanntes Strukturproblem belastet das Theater Lübeck jedoch weiterhin. Der Landeszuschuss erhöht sich per anno nur um 1,5 Prozent, die tatsächlichen Kostensteigerungen unter anderem durch die Tarifsteigerungen im Öffentlichen Dienst und die Erhöhung des Mindestlohnes betragen jedoch jährlich mehr als vier Prozent. „Diese Schere wird immer größer“, sagte Schwandt.

www.theaterluebeck.de

Von Jürgen Feldhoff

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Konrad Bockemühl 26.04.2019
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