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08:47 18.09.2019
Von Sabine Tholund
Gerichtsverhandlung als Trinkspiel: Szene aus "Die Panne" mit (v.li.) Thies John, Joachim Wendt, Friedrich Caesar, Sebastian Engelhardt und Dirk Rath. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Vier graumelierte Herren sitzen an einer weiß gedeckten Tafel. Vor ihnen stehen Weingläser, hinter ihren Stühlen hängen Masken. „Lasst uns mit dem ersten Trinkritual beginnen, dann brauchen wir die Masken noch nicht“, sagt Regisseur Jörn Arens. „Ich habe ,Die Panne' bereits vor Jahren ausgegraben, doch damals waren wir noch nicht alt genug dafür“, so Arens. Schließlich handelt es sich bei den Hauptrollen um Personen im Rentenalter.

"Wir betrinken uns auf geniale Weise"

Die trinkfreudigen Pensionäre bieten dem Handelsvertreter Traps, der mit einer Autopanne liegengeblieben ist, Unterschlupf für die Nacht und ziehen den Ahnungslosen hinein in ein böses Spiel. „Wir sind keine normalen Trinker“, wird einer von ihnen irgendwann zu ihm sagen. „Wir betrinken uns nicht auf banale, sondern auf geniale Weise.“ Im Klartext bedeutet das: Im Laufe des Trinkspiels kehren die pensionierten Verteidiger, Ankläger, Richter und Henker zurück in ihre alten Berufe und spielen Gerichtsverhandlung. Der Angeklagte ist Traps. Während der Befragung stöbern sie in seinem Leben und konstruieren dabei einen Mord. Traps, der mit zunehmendem Alkoholpegel nicht mehr zwischen Spiel und Wirklichkeit unterscheiden kann, bekennt sich schuldig.

Es geht um Fragen von Schuld, von Zufall oder Schicksal

1956 zunächst als Erzählung erschienen, bewegt sich die skurrile Komödie mit dem Untertitel „Eine noch mögliche Geschichte“ wie so oft bei Dürrenmatt am Rande des Wahrscheinlichen. „Das hat mich gereizt“, sagt Arens. Mit seiner Inszenierung will er das Publikum in erster Linie unterhalten. „Aber es wäre auch schön, wenn die Leute nachdenklich würden. Denn es geht hier um Fragen von Schuld, von Zufall oder Schicksal.“

Das Selbstbild stürzt zusammen wie ein Kartenhaus

Der zunehmende Trunkenheitsgrad ihrer Figuren bedeutet für die bühnenerfahren Darsteller eine Herausforderung. „Gerade gegen Ende fallen viele zentrale Sätze, da müssen wir aufpassen, dass die nicht im Genuschel untergehen“, sagt „Richter“ Friedrich Caesar. Hilfreich sei hier, „dass Betrunkene immer versuchen, nicht betrunken zu wirken“, ergänzt Thies John alias Alfredo Traps. Letzterer ist im Grunde eine tragische Figur. Im nüchternen Zustand davon überzeugt, als Gewinnertyp auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, sieht er sich durch die Befragung zunehmend demaskiert, sein Selbstbild stürzt zusammen wie ein Kartenhaus.

Wenn das Lachen im Halse stecken bleibt

„Das Stück ist in vielerlei Hinsicht zutiefst moralisch“, ist Sebastian Engelhard alias Staatsanwalt Zorn überzeugt. „Das Justizsystem wird hinterfragt, genauso wie die Selbstwahrnehmung und die mögliche Schuld des Einzelnen.“ Die Fallhöhe zwischen komischen Momenten und moralisierenden Denkanstößen ist also groß – das Lachen dürfte dem Zuschauer voraussichtlich schnell im Halse stecken bleiben.

Theater am Wilhelmplatz, 20. (Premiere) und 21. September, 20 Uhr. Termine und Infos unter www.werkstatt-theater-kiel.com

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