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Nachrichten Kultur Das bieten die 61. Nordischen Filmtage
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12:20 18.10.2019
Von Ruth Bender
Die Romanverfilmung "Pferde stehlen" von Hans Petter Moland ("Ein Mann von Welt") war auch Norwegens Bewerbung für den begehrten Auslands-Oscar. Quelle: Lukas Salna / NFL
Lübeck

Eine Romeo-und-Julia-Geschichte aus dem Schausteller-Milieu im Stockholm der Vierzigerjahre - das klingt nach einem opulenten Auftakt. „In „Feuer und Flamme“ geht es wirklich herrlich üppig, glitzernd und emotional zu“, sagt Linde Fröhlich, die den Film schon im Januar beim Filmfest in Göteborg gesehen und eigentlich gleich geahnt hat, dass sie damit den Eröffnungsfilm für die 61. Nordischen Filmtage schon gefunden hatte.

Starke Debüts und alte Hasen bei den 61. Nordischen Filmtagen

Vom 29. Oktober bis 3. November gehen die Filmtage in Lübeck über die Leinwände; und am Donnerstag gab die Künstlerische Leiterin zusammen mit Festival-Manager Florian Vollmers und ihrem Team Einblick in das Programm: Vom Wettbewerb um den NDR Filmpreis bis zum Kinderfilm, der in Skandinavien starke Tradition hat; von der Retrospektive „Spione und Agenten“ bis zum Filmforum, das das norddeutsche Filmschaffen fokussiert.

Der eine rote Faden lässt sich im Programm kaum ausmachen, stattdessen verweist Linde Fröhlich auf thematische „Pfade“, die vom Natur- bis zum Musikfilm reichen, von starken Debüts wie Ulaa Salims provokanten Politthriller „Sons of Denmark“ bis zu „alten Hasen“. Wie Grimur Hakonarson („Sture Böcke“), der in „The County“ von einer sturen Milchbäuerin erzählt. Oder Mika Kaurismäki: Der Finne erzählt in „Meister Cheng“ die Geschichte eines chinesischen Kochs in Nordfinnland. Beide Filme laufen im Wettbewerb der 61. Nordischen Filmtage.

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Wettbewerbsbeiträge zeigen den Charme der Peripherie

Auch ein wachsendes Interesse an der Peripherie hat Linde Fröhlich ausgemacht. Das färöische Familiendrama „Der Sohn des Vogelfängers“ steht ebenso im Wettbewerb wie das Spielfilmdebüt „Anori“. Mit dem Film um eine Sängerin, die sich zwischen Gegenwart und Tradition durchgeschüttelt sieht, ist erstmals ein Beitrag einer grönländischen Filmemacherin in der Konkurrenz. Regisseurin Pipaluk Kreutzmann Jorgensen wird zum Filmfest übrigens ebenso erwartet wie die Hauptdarstellerin Nukaaka Coster-Waldau, Ehefrau von „Game of Thrones“-Star Nikolaj Coster-Waldau.

Von den insgesamt 18 Wettbewerbsbeiträgen haben bereits neun, darunter der schwedische Eröffnungsfilm und Roy Anderssons in Venedig mit dem Regiepreis ausgezeichneter Film „Über die Unendlichkeit“, in Deutschland einen Verleih gefunden, der die noch im Winter oder im kommenden Frühjahr auf die Leinwand bringt. Ein gutes Zeichen, sagt Linde Fröhlich: „Das zeigt das Potenzial des skandinavischen Films und dass er hier gesehen wird.“ Dazu tragen die Filmtage mit den Screenings für Verleiher ihren Teil bei: „Wir zeigen da auch unsere Entdeckungen.“

„Pferde stehlen“ oder Blickpunkt Norwegen in Lübeck

Norwegen, in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse, setzt auch bei den Filmtagen einen Schwerpunkt. Mit Marius Holsts Politthriller „Kongo“ oder Hans Petter Molands auf der Berlinale mit zwei Silbernen Bären ausgezeichnete Literaturverfilmung „Pferde stehlen“. Und in der Dokumentarfilmsparte sind Schriftsteller-Porträts von Tomas Espedal und Karl-Ove Knausgard zu sehen - letzterer vor allem in seiner Funktion als Kurator einer Edvard-Munch-Ausstellung, die nach Oslo derzeit auch in Düsseldorf zu sehen ist. 

Klein-Moskau und Utoya im Fokus der 61. Nordischen Filmtage

Spannend dürften daneben auch die Dokumentarfilme sein, die durchaus mit politischem Impetus Einblick in die Gesellschaften der nordischen Länder geben. Da steht die Spurensuche im Todesfall des UN-Kommissars Dag Hammarskjold 1961 neben dem Baby-Schwimmklub, den Snorri in Reykjavik seit 30 Jahren betreut. Und die vier jungen Leute, die das Attentat von Utoya überlebt haben und im Film darüber sprechen, neben der Reportage aus „Klein-Moskau“, einer lange stramm kommunistischen Bastion im traditionell konservativ regierten Island.

Der Etat der Filmtage ist nach Angaben von Festivalmanager Florian Vollmers mit 800.000 Euro stabil, ebenso wie der Zuschuss des Landes (70.000 Euro). Mit diesem Budget wuppt das Festival auch noch allerlei Extras, darunter die Full Dome-360Grad-Vorstellungen und drei Stummfilmabende mit Live-Musik.

Die 61. Nordischen Filmtage

Insgesamt 196 Filme stehen vom 29. Oktober bis 3. November in Lübeck auf dem Programm. Zum Abschluss werden neun Preise und Preisgelder von insgesamt 52.500 Euro vergeben. Festivalkino ist das Cinestar „Stadthalle“ an der Mühlenbrücke. 

Neben Spielfilmwettbewerb, Kinder- und Dokumentarfilm sind auch vier Kurzfilmprogramme zu sehen; außerdem macht das Serien-Special Appetit auf u.a. die schräge norwegische Polizeiserie „Magnus“ oder Lukas Moodyssons Episoden aus dem Leben eines Kinderpsychologen „Gösta“.

Stummfilmkonzerte im Schuppen 6, An der Untertrave 47a, am 31. Oktober und 1. November. Der Kartenvorverkauf startet am 26. Oktober, 15 Uhr

Vollständiges Programm unter: www.filmtage.luebeck.de

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