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Kultur DeWolff: Volle Kraft zurück!
Nachrichten Kultur DeWolff: Volle Kraft zurück!
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10:22 08.04.2019
Von Thomas Richter
DeWolff im Orange Club in Kiel. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Schon das Intro, das DeWolff in die Menge des gut besuchten Orange Club feuerte, war großes Rock'n' Roll-Kino. Schlagzeug, Gitarre und Keyboard entfachten ein erdiges, kraftstrotzendes, leidenschaftlich loderndes Volldampf-Crescendo, das auch jenseits ausgesuchter Clubs jede Hallendecke zum Vibrieren gebracht hätte.

Der erste Eindruck: Der rauschhafte Opener war keine Blendgranate, soviel ist sicher. Auf durchgängig hohem Niveau knallte das niederländische Power-Trio mit Gitarrist und Sänger Pablo van de Poel, Schlagzeuger Luka van de Poel und Keyboarder Robin Piso Heavy- und Bluesrock der alten Schule mit flirrendem psychedelischen Zierrat auf den Tresen. Pate standen Deep Purple, The Doors, Led Zeppelin, in der zweiten Reihe vielleicht Canned Heat oder Fleetwood Mac. Das Beste vom Besten der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre also. Dennoch sind DeWolff keine kniefälligen Epigonen, sondern lieferten allerfeinster Stoff, handverlesen und eigenständig.

Die Musik: Zunächst gingen als Support die Dawn Brothers, ebenfalls aus den Niederlanden, zu Werke: Und die wussten auch, wie's geht. Ihr neues Album „Classic“ hält Wort, denn das großartige Quartett kombiniert mit leichter Hand, aber großer Kraft kernigen Retro-Rock und melodiösen, mit herrlichen Gesangsharmonien angereicherten Sixties-Pop und Folk. „Thrust“, so der Titel von DeWolffs mittlerweile achten Studio-Album heißt soviel wie „Schub” oder auch „Druck”. Und wie bereits erwähnt, mangelt es der Combo an selbigem kein bisschen. Um die Titel der Lieder scheinen sich die Musiker indes kaum zu kehren. Obwohl Pablo herzlich mit dem Publikum kommuniziert, kündigt er nur einen Song wirklich an. Der hat dann auch eine schöne Geschichte: „Share the Ride“ wurde zunächst nicht komplett veröffentlicht.

Die Band stellte auf Spotify lediglich die einzelnen Spuren bereit – Gitarre, Schlagzeug, Gesang, Hammondorgel. Den kompletten Song könnte man demnach nur hören, wenn vier Leute mit vier Handys gleichzeitig am Start wären. „Also müsst ihr ins Konzert gehen oder diese Flexible-Disc kaufen“, meint der Sänger und hält dabei das Tonträger-Relikt in die Höhe. Netter Gimmick. Und doch umfasst dieser Song das Spektrum, indem sich die Band so grandios bewegt. Klare Strukturen münden in kunstvolle Improvisationen. Es gibt viel Raum für breit ausformulierte, wabernde und treibende Keyboard- und Gitarren-Soli sowie ein prominentes nach vorne treibendes Schlagzeug. Und irgendwo dazwischen der hohe Gesang Pablos, dem es nicht immer leicht fiel, sich gegen die Macht der Instrumente durchzusetzen.

Das Publikum: „Vocals louder“ schallt es wohl auch deswegen aus der elektrifizierten Menge. Man war also voll dabei und wollte keine Note, keine Zeile verpassen. Ansonsten Party pur, die Selbstvergessenen kamen ebenso auf ihre Kosten wie die etwas stilleren Freunde echter, exzellent vorgetragener Musik.

Was in Erinnerung bleibt: Ein schweißtreibender, musikalisch komplexer, hoch dynamische Gig. Und mit den Dawn Brothers eine nicht minder großartige Vorband. Auf das in Kürze erscheinende, gemeinsam mit DeWolff eingespielte Album „Next Of Kin“ darf man sich freuen.

Fazit: Wenn Retro so frisch und unverkrampft rockt, dann Befehl an alle: „Volle Kraft zurück!“

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