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Kultur Ratz singt und sammelt gegen Rechts
Nachrichten Kultur Ratz singt und sammelt gegen Rechts
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08:09 31.01.2019
Von Thomas Bunjes
Foto: Engagiert sich in seiner neuen Aktion für Jugendzentren und soziokulturelle Einrichtungen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen: der Kieler Musiker und Autor Heinz Ratz.
Engagiert sich in seiner neuen Aktion für Jugendzentren und soziokulturelle Einrichtungen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen: der Kieler Musiker und Autor Heinz Ratz. Quelle: Schaller
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Sondern rücken konkrete, gesellschaftlich unter den Nägeln brennende Themen in den Fokus. Diesmal sind es die selbstverwalteten Jugendzentren und soziokulturellen Einrichtungen, die der 50-Jährige bedroht sieht – von rechts. „Eine Million gegen Rechts“ heißt daher Ratz’ aktuelles Projekt. Das ist die Summe in Euro, die er mittels Einnahmen durch 100 Konzerte in 100 Orten und dazu vor allem noch Spenden bis Jahresende einsammeln und dann Zentren in Thüringen, Brandenburg und Sachsen, wo Landtagswahlen anstehen, zukommen lassen will.

Wieder ein selbstbewusstes Ziel gesteckt

Was aus der Sicht eines Nicht-Millionärs durchaus ambitioniert klingt. „Ja, fand ich auch, aber ich habe beschlossen, da einfach mal selbstbewusst ranzugehen“, sagt Ratz und lacht. „Ich denke, die ersten 100 000 Euro werden am schwersten zu schaffen sein, das ist ja bei Millionären auch so. Die Dinge, die ich mir ausdenke, sind ja sowieso fast immer nicht wirklich zu schaffen. Am Ende erziele ich dann doch Ergebnisse, mit denen ich ganz zufrieden bin.“

Erstmals Onlinepräsentation von Unterstützern

Die Tour von Strom & Wasser läuft, am Freitag spielt die Band im Lutterbeker. „Wir haben jetzt 34 000 Euro zusammen, davon nur ein Drittel aus Konzerteinnahmen.“ Der übrige Teil seien Spenden, Singer-Songwriter-Kollege Gisbert zu Knyphausen stelle bei Konzerten eine Spardose auf, Künstler versteigerten Arbeiten. Erstmals bei einer seiner Aktionen werden Unterstützer online präsentiert. „Das ist ein Thema, wo das Gesicht zeigen besonders wichtig ist“, erklärt Ratz, „da die Rechten ganz viel mit Angst arbeiten.“ 

Einzelne spendenbereiter als Institutionen

Auch 61 Kirchen, 26 Banken und 31 Gewerkschaften wurden angeschrieben. Überrascht Ratz hier die bisherige Ausbeute von null Euro? „Nein, ich kenne das ja von anderen Projekten, die ich gemacht habe. Aber es ist schon ein trauriges Bild und spiegelt die Gesellschaft. Es bestätigt sich immer wieder, dass der Einzelne, der berührt wird von einer Sache, aus einem kleinen Kosmos heraus was tut.“ Eine Handvoll der Zentren solle durch die Spenden „massiv“ unterstützt werden, damit sie ihre Häuser kaufen können. Meist aber laufe es niedrigschwelliger mit 5000 bis 10 000 Euro, weil viele in Schwierigkeiten steckten, da sie auf Fördergelder angewiesen seien. Zudem seien diese „basisdemokratischen Oasen“ (Ratz) wegen ihrer Weltoffenheit vor allem Rechtsextremen und -populisten ein Dorn im Auge. Auf dem Tourplan habe er sie aber zunächst bewusst ausgeklammert, weil es darum gehe, „Gelder für sie zu akquirieren“. Und das ginge besser an etablierteren Konzertorten mit einem bürgerlichen, besser betuchten Publikum. 

Neue Songs von Strom & Wasser klingen anders

Auf der Tour spielen Strom & Wasser auch Songs vom kommenden Album wie Spiegellabyrinth der Lüge. Teils in Italien aufgenommen, mit zwei Drums und zwei Bässen. „Wir haben dann aber einen starken Schwerpunkt auf Instrumente wie Cello und Marimba gelegt, exotischer, nicht so gitarren- und klavierlastig wie sonst.“ Das Album sei auch philosophischer. „Meine Freundin meinte, es seien viele Therapielieder drauf. Zwischenmenschliches, übers Scheitern, Liebeslieder. Auch politische, aber nicht so kämpferisch lustigerweise, obwohl das Projekt so kämpferisch ist.“ Hat er eine Erklärung für diese Tendenz? Die sei schon länger da, sagt Ratz, aber erschüttert von dem Aufkommen des Rechtspopulismus habe er das wütende Album Herzwäsche (2016) dazwischenschieben müssen. „Ich möchte jetzt versuchen, aus diesem Zustand des wütenden Fragens hinzugehen, um gewisse Antworten und Lösungen anzubieten.“

Konzert: Freitag, 1. Februar, 21 Uhr, Lutterbeker (Dorfstr. 11), Lutterbek.

www.strom-wasser.de, www.offensivbuero.de