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Kultur Tief getaucht auf hoher See
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17:26 20.04.2016
Von Maren Kruse
Typisch Siebenrock: Neue Techniken reizen ihn – hier steht er vor einem Glasbild im Treppenhaus des Kunsthauses. Quelle: Foto: Manuel Weber
Laboe

 „Tief sehen als schöner Schnitt durch das eigene Schaffen“, sagt Siebenrock, „als Schnitt durch die Sedimente“. Seine Schichten sprechen ihre eigene Sprache, nicht solide übereinander gelagert mit sinnigen Verläufen, sondern wild wuchernd und vor allem intensiv, gestenreich und stets vielfarbig.

 Eine kleine Sockelskulptur aus Ulmenholz rückt der Kieler Künstler im Obergeschoss in den Blick. Selbst als Schiffbrüchiger ist die Arbeit von 1972 betitelt, die sich aus der zeitlichen Distanz beinahe wie ein bildnerisches Programm lesen lässt. Nicht nur aus dem Formempfinden heraus, das Organisches und Figuratives eigenwillig miteinander verschränkt, sondern auch motivisch. Als Odysseus sieht Siebenrock sich, wenn er selbstironisch von seinen von Schiffbruch begleiteten Irrfahrten erzählt oder von den Sirenen, denen auch er trickreich entging. Gelandet ist Siebenrock 1982 an den Gestaden des Langsees vor den Toren Kiels – seiner Stadt, die er künstlerisch (oder als Blogger) ins Visier nimmt. So tauchen auf Aquarellen und Tuschezeichnungen U-Boote auf wie ewige Wiedergänger: „Griechenland, Chile, Israel, egal, sie sind mein Lieblingsthema“, sagt Siebenrock, der für die Laboer Ausstellung viel Flachware mit Motiven von Meer und Küste angelandet hat. Die Gouachen und Aquarelle erscheinen oft lichter und freier als die expressiven und farbsatten Acrylbilder, in deren Dickicht sich das Auge schon mal verheddern kann.

 Stets sind es thematische Blöcke, denen sich der Künstler ausdauernd widmet, um dann „irgendwann den Rückwärtsgang einzulegen und zu schauen, was ich gelernt habe“. Eine starke Serie von schwarz-weißen Gouachen entstand Mitte der Neunzigerjahre. Unter dem Kommandotitel Lotse – Mann! illustriert sie auf Siebenrock-Manier die Geschichte vom Schiffbruch vor den britischen Scilly Inseln, die nach Vorlagen historischer Fotografien der Gebrüder Gibson entstanden. In Siebenrocks entschieden zupackendem Zeichengestus werden sie zu allgemein gültigen Katastrophenszenarien.

 Ganz anders die Dampfer, Puschengondeln, Schlepper und Fischdampfer aus farbig glasierter Keramik, die im Untergeschoss der Villa auf dem Holzboden schwimmen. Angelehnt an barocke Tafelaufsätze setzen sie in ihrer grobkörnigen Formensprache höfische Tischkultur auf den Pott. Das macht dem engagierten Damenteam vom Förderverein des Freya-Frahm-Hauses sichtlich Spaß, die, obgleich „arm wie die Kirchenmäuse“ an diesem Ort einen lebendigen Kulturort geschaffen haben. Zur Eröffnung am Freitag will Siebenrock übrigens nichts weniger als einen neuen Stilbegriff aus der Taufe heben. Der Künstler witzelt und sagt nur soviel: „Das wird hohe Wellen schlagen.“

www.freya-frahm-haus.de

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