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Kultur Schreiben, um die Welt zu verstehen
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18:46 29.01.2019
Von Ruth Bender
Liliencron-Dozent José F.A. Oliver pendelt zwischen Deutsch und Spanisch und Alemannisch und Andalusisch. Quelle: Marco Ehrhardt
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Kiel.

„Ich verbinde mit ihm die Stimme aus dem Norden", sagt der Liliencron-Dozent über den Dichter. "Und ein zwiespältiges Gefühl zur Heimat.“ Noch so ein Wort, das Oliver liebt; wie er ohnehin im Gespräch vor der Eröffnungslesung immer wieder an einzelnen Wörtern hängenbleibt, ihnen nachlauscht, sie zerlegt und Doppelbedeutungen hervorkitzelt.

dem „nomadischen Heimatdichter“ (Ilja Trojanow)

Die Worte auseinanderzunehmen, um ihrem Sinn nahe zu kommen, das hat er schon als Kind gelernt, von der Mutter und der Nachbarin. „Ich hatte das Glück, zwei Mütter zu haben. Eine für jede Sprache“, sagt der Sohn andalusischer Gastarbeiter, der 1961 im Schwarzwald zur Welt kam und dort bis heute lebt. Mit Unterbrechungen von Boston bis Kairo oder in Lima, wo er mit Straßenkindern arbeitete. Das Unterwegssein ist ihm so wichtig wie die Überschaubarkeit.

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Wie sich Beobachtung und Spracherkundung durchdringen

Aus dieser Spannung wachsen die Gedichte des vielfach Ausgezeichneten. Assoziative, manchmal wild wuchernde Texte, in denen sich wache Beobachtung und Spracherforschung, bis ins Philosophische hinein, gegenseitig durchdringen. Schreiben heißt für José Oliver, mit der Welt im Dialog stehen. „Ich habe immer geschrieben, wenn ich etwas nicht verstanden habe“, erzählt er von den frühen Anfängen mit zwölf, dreizehn. In einer fortlaufenden Welt- und Worterkundung, die sich in seinen Texten und rund 20 Büchern bis heute fortsetzt.

Lyrik ist eine Seinsform

Das Genre der Lyrik, sagt er, suche man sich nicht aus: „Es ist eher eine Seinsform. Dichter bin ich auch, wenn ich frühstücke. Und auch das Nichtschreiben gehört für mich dazu.“ Von der Notiz übers Notat und die Verdichtung entwickeln sich Olivers Gedichte, die er eher als Prozess begreift. Der letzte Schritt übrigens, der gelingt ihm nur daheim in Hausach: „Dazu brauche ich die Ruhe und Überschaubarkeit des Schwarzwalds.“

30. Januar, 19 Uhr, Literaturhaus, Schwanenweg 13. José Oliver spricht mit dem Lyriker Arne Rautenberg; Moderation: Nikolaus Buck.

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