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Kultur Madrigalchor rundet Schumann-Schwerpunkt
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15:12 27.08.2018
Chorleiterin Friederike Woebcken (vorn, 2. von rechts) mit ihren sensibel singenden Chormitgliedern im Meldorfer Dom. Quelle: Andreas Guballa
Meldorf

Geschickt vereinte Chorleiterin Friederike Woebcken im ersten Teil die Klänge der nordischer Zeitgenossen Schumanns, Niels W. Gade, Edvard Grieg und Wilhelm Stenhammar, mit Werken des Schwerpunktkomponisten und der skandinavischen Tondichter Hans-Ola Ericsson und Sven-David Sandström zu einer klingenden Abendstimmung, beschwor die aufsteigende Dämmerung und führte mit die knapp 40 Sängerinnen und Sängern in eine laue Sommernacht voller Träume, Sehnsucht und Gedanken an die Vergänglichkeit.

Nuanciertes Blühen unter Woebcken

Woebcken ließ die Kompositionen äußerst vielschichtig erblühen und animierte die umwerfend guten Choristen zu emotional fesselnden Höhenflügen. Feinste Melodiebögen, Akzentsetzungen und dynamische Vitalität, aber auch ein kunstvolles Verschmelzen verschiedener Tonlagen führten zu sinngebenden Klangeffekten etwa in Sven-David Sandströms „To See A World“, dem die ersten vier Verszeilen eines William Blake-Gedichtes zugrunde liegen. Nuanciert umkreisten die gemischten Chorstimmen das Sandkorn, in dem die ganze Welt zu erscheinen vermag, wie es bei dem englischen Dichter heißt.

Getupfte Charakterstücke durch Caspar Frantz

Zwischen den Chorwerken tupfte der in Kiel geborene Pianist Caspar Frantz mit leichter Hand und samtweichem Klavierspiel mit je einem Charakterstück aus Schumanns „Davidsbündlertänzen“ op. 6 und den „Nachtstücken“ op. 23 melancholische Klangwolken in das Kirchengewölbe.

Kunstmärchen "Der Rose Pilgerfahrt"

Damit war die Stimmung bereitet für das Hauptwerk des Abends, Schumanns romantisches Kunstmärchen „Der Rose Pilgerfahrt“ nach einer Dichtung von Moritz Horn über die Sehnsucht nach Liebe, deren Enttäuschung und Erfüllung zugleich. Darin verbinden sich die zentralen Elemente der ersten Konzerthälfte zu einer anrührenden Geschichte: Das Elfenmädchen Rose erlebt in Menschengestalt als Ehefrau und Mutter nach anfänglichem Leid das irdische Glück und wird nach ihrem Tod im Kindbett von Engeln "zu höherem Licht" getragen.

Reiche Palette am Klavier

Klangwelt und Aura des Stückes werden vom romantischen Klavierlied geprägt; eine Atmosphäre, die Caspar Frantz mit seiner reichen Palette allerfeinste Schattierungen zu gestalten vermochte.

Klangschönheit und klare Diktion im Chor

Die Aufgaben des Chores sind vielfältig: Als Elfen-, Jungfern, Jäger- oder Engelschöre sind sie mit ihren eindringlichen Effekten gleichermaßen folkloristisch wie überirdisch. Der Madrigalchor meisterte diese facettenreiche und anspruchsvolle Aufgabe mit ausdrucksvoller Intensität, Klangschönheit und klarer Diktion.

Magdalene Harer mit leuchtendem Sopran

Ihm zur Seite stand ein Solistenquartett, das die Sprache der romantischen Märchendichtung mit seinen ausgefeilten musikalischen Nuancen und reichen Klangfarben perfekt auszugestalten wusste. Mit leuchtendem Sopran zeichnete Magdalene Harer den Weg der Rose von kindlich reiner Unbefangenheit über leidenschaftlich intensives Liebeserleben hin zur Abgeklärtheit der Mutterliebe einer schließlich zum Engel verklärten Fee spannungsvoll nach.

Mirko Ludwig als intensiver "Erzähler"

Mirko Ludwig vermochte in der Rolle des Erzählers, zauberhafte Übergänge mit ausdrucksintensiver Tenorstimme zu gestalten und ebenso im Liebesduett mit der Rose als jugendlicher Liebhaber mit tenoralem Glanz aufzutrumpfen. Als Ehrfurcht gebietende Elfenkönigin wusste Ulrike Andersen mit warmem, edlen Alt-Klang zu überzeugen. Andreas Heinemeyer mit seinem reich timbrierten Bass war ein überzeugender väterlicher Totengräber.

Spannung und Innigkeit

Friederike Woebcken führte mit umsichtig präzisem Dirigat, Solisten, Chor und Klavier mit großem Atembogen zu einem Ganzen zusammen und erschuf dabei Momente großer Spannung und poetischer Innigkeit. Das Publikum dankte den Akteuren mit lang anhaltendem Beifall für diesen krönenden Abschluss einer facettenreichen Schumann-Retrospektive.

Von Andreas Guballa

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