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Kultur Dezidierte Sprache, starke Bilder
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19:54 25.06.2019
Von Beate Jänicke
Mahir Guven stellte im Literaturhaus seinen Debütroman „Zwei Brüder“ auch mit seinen erläuternden Illustrationen vor. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel.

Der zur Zeit in Hamburg lebende und schreibende Autor gab am Dienstagabend Einblicke in sein Werk bei der Kieler-Woche-Lesung der Deutsch-Französischen Gesellschaft, des Institut Français und dem Romanischen Seminar der Uni Kiel.

Die Pariser Banlieues sind die Heimat zweier französisch-syrischer Brüder und ihres verwitwerten Vaters. Der ältere der beiden hat eine Drogenvergangenheit und hält sich als Uber-Taxifahrer über Wasser. Der jüngere arbeitet als Krankenpfleger und fühlt sich trotz säkularer Kindheit zur Religion hingezogen. Bis er eines Tages verschwindet – nach Syrien, um dort zu helfen. Oder hat er sich womöglich radikalisiert? Nach vielen Jahren der Abwesenheit kehrt er plötzlich zurück. Ist er islamistischer Terrorist geworden, und soll der ältere Bruder ihm nun helfen oder ihn verraten?

Die Sprache schafft starke und überraschend Bilder

Nach einer detaillierten Einführung durch Kyra Clausen vom Romanischen Institut der CAU gab der Autor in mehreren auf Französisch gelesenen Abschnitten Einblicke in sein Buch. Andrea Schlüter und Bettina Uhlig, ebenfalls vom Romanischen Institut, lasen die Übersetzungen. In schneller, am Jugendjargon der Vorstädte orientierter Sprache, die starke und überraschende Bilder schafft (Übersetzung: André Hansen), lässt Mahir Guven die Geschichte in Form zweier abwechselnder Monologe der Brüder als Innenschau mit einigen Rückblenden ablaufen. Wenn in den Banlieues die Lage in Syrien zur Sprache kommt, heißt es etwa über bestimmte Reizwörter: „Die schwirren wie Bienen in der Luft.“ Zur Kollaboration mit der Polizei, sagt der ältere Bruder: „Gibt nichts Schlimmeres als für die Bullerei die Beine breitzumachen.“ Man fühlt sich ein wenig an Rap-Sounds erinnert, mit ihrem ganz eigenen Rhythmus.

Heute wäre einer der Beteiligten bei den Gelbwesten

Im Vorab-Gespräch mit dem Autor erzählte Mahir Guven, er habe in seinem rein fiktionalen Werk eine familiäre Beziehung beleuchten wollen. Die Ansiedlung im Kontext des Syrienkrieges sei zwar durch das Attentat auf die Musikhalle Bataclan 2015 in Paris angestoßen worden, aber die Geschichte sei dennoch exemplarisch: „Würde ich den Roman heute schreiben, würde einer der Beteiligten bei den Gelbwesten sein.“ Die Sprache des Buches sei der Psychologie der Figuren geschuldet und für Franzosen unter 35 Jahren überhaupt nicht fremd.

Mahir Guvens neuer Roman just vollendet

Bei der Fragerunde am Schluss erfuhr das Publikum dann noch Neuigkeiten: Just am Vortag hat Mahir Guven einen neuen Roman vollendet. Man darf also auf eine weitere Geschichte Guvens gespannt sein.

Mahir Guven: Zwei Brüder, 282 Seiten, Aufbau Verlag, 20 Euro

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