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Kultur "Thérèse": Schuld in Schubladen
Nachrichten Kultur "Thérèse": Schuld in Schubladen
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16:39 20.05.2019
Die gelähmte Mutter (Renate Behle, li.) beäugt die Mörder ihres Sohnes, Laurent (Otto Katzameier) und ihre Schwiegertochter Thérèse (Marisol Montalvo). Quelle: Hans Jörg Michel
Hamburg

Es quietscht und rauscht, dräut, flirrt und plätschert ohne Unterlass – wie die Pariser Seine im Hintergrundvideo. Hier wird der nasse Tod des ungeliebten Ehemanns den pompösen Lover der Titelfigur zum Mörder machen. Hier fließt die Zeit, die das schuldig gewordenen Liebespaar erst in den Wahnsinn und dann in den Selbstmord treibt, anklagend beäugt von der gelähmten Mutter des Opfers.

Kammerspiel in Tönen: Regie Georges Delnon

Der Regisseur Georges Delnon hält sich vorsichtig zurück. Und die Ausstatterin Marie-Thérèse Jossen hat ein Jahrhundertwende-Kontor voller Kommoden auf die labyrinthisch volle Bühne gestellt, wo unzählige Schubladen Last und Laster des Lebens zu verbergen scheinen.

Uraufgeführt bei den Salzburger Osterfestspielen

Bei der Uraufführung zu den Salzburger Osterfestspielen für fehlenden Wirkungsgrad viel kritisiert, schafft der gut geeignete Kleine Saal der Elbphilharmonie doch beklemmende Nähe – als wäre man quälend mit abgetaucht in die Abgründe der Seelen. Der 42-jährige deutsche Komponist Philipp Maintz beschwört durch die auffälligen Montmartre-Farbakzente von Akkordeon, Flöte und Harfe neoimpressionistische Stimmungen französischer Art. Der Dirigent Nicolas André sorgt für gute Koordination und Abmischung mit den ebenfalls beteiligten Solostreichern, der Klarinette, dem Fagott und Horn sowie dem Schlagzeug der Philharmoniker.

Beeindruckende Sängerstimmen

Und obwohl der gut verständliche deutsche Sprechgesang nach Wozzeck-Art auf Dauer monochrom wirkt, beeindrucken die schauspielerisch wenig geforderten Sänger stimmlich sehr: der vielfarbig flammende Sopran von Marisol Montalvo in der Titelpartie, der prächtige Bass des singenden Librettisten Otto Katzameier als selbstverliebter Macho Laurent, der etwas klischeebeladen windelweiche Countertenor von Tim Severloh als entledigter Ehemann Camille und der charismatische Mezzosopran der Rampenautorität Renate Behle. Die zwei pausenlosen, etwas länglich wirkenden Stunden bewirken vor allem eines: Man bekommt Lust, Zolas Roman zu lesen. Keine fatale Bilanz für eine Literaturoper.

Termine im Kleinen Saal der Elbphilharmonie

Termine: 21. und 22. Mai, 19.30 Uhr, Elbphilharmonie, Kleiner Saal. Karten: 040 / 35 68 68. www.staatsoper-hamburg.de

Von Christian Strehk

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