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Kultur Drangsal faszinierte in der Kieler Pumpe
Nachrichten Kultur Drangsal faszinierte in der Kieler Pumpe
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06:18 22.03.2019
Von Thomas Bunjes
Rampensau ersten Ranges: Drangsal-Mastermind Max Gruber. Quelle: Michael Kaniecki
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Kiel

Der erste Eindruck

Die Band übernimmt selbst den Aufbau. Als Max Gruber in weißem Feinripp-Unterhemd auf der Bühne erscheint, jubeln ein paar im Publikum, aber Gruber legt mit einer Hebt-euch-das-für-später-auf-Geste den Finger auf den Mund und nimmt die Arbeit auf. Hin und wieder tanzt er ein wenig während des Aussteuerns und das Spektrum der Songs aus der Konserve ist immens - vom simplen Drei-Akkord-Punkrock über Van Morrison („Did Ye Get Healed?“), Fleetwood Mac („Little Lies“) bis zu Olivia Newton-John („Physical“) und KC & The Sunshine Band („Give It Up“). Sollte es Grubers Playlist sein, spiegelt sie die - nicht ganz so enorme - Vielfältigkeit der eigenen Songs, die Drangsal später spielen sollten

Das Programm ... 

... speist sich natürlich aus den beiden bisherigen Drangsal-Alben „Harieschaim“ (2016) und „Zores“ (2018), deren Lieder mal englische, mal deutsche Texte haben. Live herausragend „ACME“, ein „Song über das Alleinsein“ (Gruber), der wie ein ins Rockigere gedrehtes Stück von Prefab Sprout beginnt und dann von einem langen, greinenden Gitarrenriff getrieben immer wüster, immer düsterer, immer desperater klingt. Absolut mitreißend auch „Weiter so“, eingeleitet von einem ellenlangen Instrumentalpart, und Gruber singt „alle Jungen, alle Mädchen ziehen die T-Shirts aus“ - das lassen sie hier allerdings bleiben. Als letzten Song covern sie, dicht dran am Original, den ollen Gassenhauer „1001 und 1 Nacht“ von der Klaus-Lage-Band.

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Das Publikum ...

... tanzt, singt mit, klatscht im Takt, jauchzt, johlt. Derbe Zwischenrufe gibt‘s, immer mal wieder auch „Ausziehn“-Rufe (Gruber zieht während der Zugabe dann tatsächlich sein Hemd aus). Der Sänger wendet sich mehrfach ans Publikum, frotzelt und witzelt. Die Stimmung paart Bewunderung mit Kumpelei.

Was in Erinnerung bleibt

Wie Gruber einmal plötzlich von der Bühne steigt und ausgelassen mitten im Saal mit den Fans tanzt. Und die schlagfertige Reaktion auf das begeisterte „Hey, hey, hey“ eines Fans: „Du, das wird aber schwierig mit uns beiden, wir könnten höchstens ein Kind adoptieren. Oder ich könnte Dich adoptieren, ich könnte der Vater sein, den Du niemals wolltest.“

Fazit

Fesselndes Konzerterlebnis.

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