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Kultur Musizieren unter Hochdruck
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10:00 11.01.2017
Von Konrad Bockemühl
Foto: Kalev Kuljus, gebürtiger Este, ist als Solo-Oboist des NDR Elbphilharmonie Orchesters Schirmherr der Landesmusikrats-Aktion „Instrument des Jahres 2017“.
Kalev Kuljus, gebürtiger Este, ist als Solo-Oboist des NDR Elbphilharmonie Orchesters Schirmherr der Landesmusikrats-Aktion „Instrument des Jahres 2017“. Quelle: ehr - Marco Ehrhardt
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Kiel

Das passt: Schon heute Abend kann Kuljus als Solo-Oboist des NDR-Elbphilharmonie Orchesters zur glanzvollen Eröffnung des spektakulären Hamburger Konzertsaales sein Instrument in den Fokus rücken und auch solistisch zur Geltung bringen.

 Vorm Konzert ist das ja nicht unüblich, sagt Landesmusikrats-Präsident Klaus Mader: Schließlich gibt die Oboe für das ganze Orchester den Kammerton A an, und alle müssen sich daran orientieren. Sauber muss der Ton dafür schon klingen, und genau das ist das Problem. Die Oboisten arbeiten gewissermaßen unter Hochdruck – und sind deshalb mitunter auch am roten Kopf zu erkennen. Das Geheimnis des guten Tons erklärt Prof. Diethelm Jonas von der Musikhochschule Lübeck: Es geht im Kern darum, mit möglichst wenig Luft durch das minimal geöffnete Rohr hindurch eine größtmögliche Luftgeschwindigkeit zu erzeugen. Es geht also weniger um die Puste selbst, als um deren Dosierung. Die spezielle zirkulare Atemtechnik befähigt den Oboisten zu im Vergleich mit anderen Holzblasinstrumenten besonders langen Soli – bis zu vier Minuten ohne Absetzen. Das kostet tatsächlich viel Kraft, sagt auch Schirmherr Kuljus (41), der als Jugendlicher in Tallinn nicht zuletzt durch das berühmte Konzert des Barockmeisters Alessandro Marcello endgültig in den Bann der Oboe geriet und sie neben dem NDR (seit 2003) auch schon in etlichen anderen Weltklasse-Orchestern in Berlin, München oder Birmingham gespielt hat, außerdem in internationalen Meisterkursen und an der Musikhochschule Karlsruhe lehrt.

 Als früheste Vorläuferin der Oboe wurde die Chalil bereits vor über 2000 Jahren gespielt. Die Legende besagt, ihr durchdringender, näselnder Klang sei bei Gottesdiensten im Jerusalemer Tempel bis nach Jericho zu hören gewesen. Die Barockoboe wurde dann im 17. Jahrhundert auf Basis der mittelalterlichen Schalmei entwickelt. Der Name leitet sich aus dem französischen hautbois (hohes/lautes Holz) ab. Heute ist die Oboe – aus dreiteiligem Korpus mit komplexer Klappen- und Hebelmechanik und Mundstück/Rohr – fester Bestandteil des klassischen Orchesters und der Kammermusik. Auch in Jazz und Pop ist sie gelegentlich zu hören.

 In zahlreichen Konzerten soll das wohl Anspruchsvollste unter den Blasinstrumenten im Laufe des Jahres zu erleben sein – in Kiel etwa bereits beim Semesterkonzert des CAU-Kammerorchesters unter Klaus Mader mit Carl Borromäus Neuners Oboenkonzert am 25./26. Januar im Schloss. An der Musikhochschule Lübeck erzählt Prof. Diethelm Jonas ab Freitag übers Jahr verteilt „Oboengeschichten“, von den Anfängen des Barock (Wie die Oboe das Singen erlernte) bis zu ganz neuen Hörerlebnissen unter dem Motto Happy new ears und der Uraufführung eines Werkes für Oboe, Oboe d’amore, Englischhorn und Baritonoboe des Lübecker Kompositionsprofessors Dieter Mack. Im Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ wird im März ein Sonderpreis Oboe ausgelobt und das Landesjugendorchester wird im April mit einem Meisterschüler aus der Jonas-Klasse musizieren. Es gibt mit dem NDR Kinderkonzerte und Schulen können sich für Workshops bewerben.

 Mit dem Instrument des Jahres setzt der Landesmusikrat Schleswig-Holstein eine vor zehn Jahren begründete Tradition fort – damals rückte als erstes die Klarinette in den Fokus. Die Musikräte aus Berlin, aber auch Baden-Württemberg und Brandenburg sind mittlerweile dabei, Hamburg und Thüringen wollen folgen. Der Landtagspräsident hat also auch schon ins Horn geblasen (konnte er als Jäger ganz gut), die Bratsche gespielt und (2016) die Harfe gezupft. Das mit den schiefen Tönen gestern war ebenso respektabel wie verzeihlich. Damit habe er schon mehr geleistet als 90 Prozent aller Menschen, die sich erstmals an dieses Instrument herantrauen, versicherten die Musikern glaubhaft.

 Infos / aktualisierte Termine: www.instrument-des-jahres.de

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