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Kultur Versuch über Schuld und Gerechtigkeit
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11:21 22.09.2019
Von Thomas Richter
Gerichtsverhandlung als Trinkspiel: Szene aus "Die Panne" mit (v.li.) Thies John, Joachim Wendt, Friedrich Caesar, Sebastian Engelhardt und Dirk Rath. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Gern empfängt der pensionierte Richter Wucht (Friedrich Caesar) in seiner Villa Durchreisende und bietet ein herrschaftliches Mahl mit erlesenen Alkoholika. An seiner Seite zechen immer die ehemaligen Kollegen Rechtsanwalt Kummer (Joachim Wendt), Staatsanwalt Zorn (Sebastian Engelhard) sowie Henker Pilet (Dirk Rath).  Allerdings ist diese Gastfreundschaft nicht ganz  „uneigennützig“.  

Gewissermaßen als Gegenleistung soll der Gast an einer private Gerichtsverhandlung teilnehmen und dabei die Rolle des Angeklagten übernehmen. Durch eine Autopanne gerät der Textilvertreter Alfredo Traps (Thies John) in diese bizarre Situation. Doch er spielt gerne mit, während die mondäne Tante Simone von Fuhr (Silke Arens) beflissen für Nachschub an edlen Tropfen sorgt und die attraktive Enkelin des Gastgebers (Henrike Schmidt) dem „Beschuldigten“ den Kopf verdreht.

Thesen und Ideen bleiben unverhüllt

Das ist in etwa der Plot  für Dürrenmatts Versuch über Schuld und Gerechtigkeit. Regisseur Jörn Arens (auch in einer Mini-Rolle zu sehen) übernimmt den Brecht'schen Charakter der Stückfassung von 1979. Gleich zu Beginn lässt er Richter Wucht „aus der Rolle fallen“, indem  er dem Publikum als Privatperson logistische Details zur Aufführung kundtut. Außerdem verzichtet Arens in dieser „Spiel im Spiel“- Anordnung auf eine tiefere Profilierung der Figuren, damit die   Thesen und Ideen des Stücks möglichst unverhüllt zu Tage treten.

Aus Spiel wird Ernst

Obwohl ihn Verteidiger Kummer zur Vorsicht mahnt, erzählt Trap seine Lebensgeschichte und offenbart dabei einige Merkwürdigkeiten, bis das trinkfreudige Tribunal Traps ehemaligen Chef als  vermeintliches Mordopfer ausknobelt.  In der kurzen Affäre Traps’ mit der Frau des verstorbenen Chefs sieht der Staatsanwalt das Mordmotiv. Trap, der Spiel und Wirklichkeit nicht mehr auseinanderhält, und sich durch die Anklage zwar durchschaut, aber mehr noch respektiert, fast überhöht sieht, widerspricht Kummers Verteidigung. Er  „gesteht“ den Mord und erwartet das Urteil ...

Besäufnis mit gespenstischen Szenen

Natürlich droht die Inszenierung nicht nur einmal in eine zu arg beschwipste „Dinner-For-One-haftigkeit“ zu kippen. Schließlich wird permanent gesoffen, und das durchweg exzellente Ensemble gibt dem Affen diesbezüglich auch ordentlich Zucker. Gleichwohl gelingen Arens auch gespenstige Szenen einer echten Bedrohung. Etwa wenn die clownesken Ex-Juristen, in grotesken Gesang verfallen, und sich dem Angeklagten als sektenartiger Haufen nähern. Hier zeigt sich dann auch der Zynismus Dürrenmatts, den er seinem Richter Wucht am Ende in den Mund legt: „In einer Welt der schuldigen Schuldlosen und der schuldlosen Schuldigen hat das Schicksal die Bühne verlassen, an seine Stelle ist der Zufall getreten, die Panne.“

Wenn fremde Welten aufeinander treffen, kann es schon mal kompliziert werden. So wie in der umjubelten Premiere der Inszenierung von „Das Gespenst von Canterville“ nach Oscar Wilde im Jungen Theater im Kieler Werftpark, in der eine amerikanische Familie in ein englisches Gruselschloss einfällt.

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