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Kultur Zwischen Rausch und Perfektion
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16:53 13.08.2018
Foto: Auch in veränderter Besetzung perfekt: Das Artemis Quartett mit Vineta Sareika und Anthea Kreston (Violinen), Gregor Sigl (Viola) und Eckart Runge (Violoncello).
Auch in veränderter Besetzung perfekt: Das Artemis Quartett mit Vineta Sareika und Anthea Kreston (Violinen), Gregor Sigl (Viola) und Eckart Runge (Violoncello). Quelle: Nikolaj Lund
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Altenhof

Robert Schumanns g-Moll-Sonate op. 22 kann man vielleicht vielgestaltiger, detailfreudiger und wahnwitziger spielen, aber kaum mit mehr innerem Volumen und opulenter Aura. Die 72-jährige Wahlwienerin macht im voll besetzten Kuhhaus Altenhof schon im Kopfsatz deutlich, wie hin- und hergerissen die Welt des Romantikers ist, wie sich Schumanns geistig-ästhetische Stellvertreter, der feuerköpfige Florestan und der lyrisch verklärte Eusebius, da spannungsvoll ins Wort fallen.

Staffelung von Vorder- und Hintergründen

Das „getragene“ Andantino gelingt berührend. Scherzo und Finale fehlt es vielleicht an allerletzter Virtuosenattitüde, aber auch hier gibt es tolle Momente in der Staffelung von Vorder- und Hintergründen.

Leonskaja verlockt zu expressiver Spontaneität

Dass Leonskaja zugleich eine begnadete Kammermusikerin ist, wird einmal mehr in Schumanns vor Energie und Poesie strotzendem Es-Dur-Klavierquintett op. 44 deutlich. Hier fordert die volle Wucht ihres Flügels die eigentlich so abgezirkelten Streicher des Artemis Quartetts spürbar zu spontan expressivem Mittun heraus. Der Klangrausch begeistert das Publikum. Zugabe: der langsame Satz aus Brahms’ Klavierquintett op. 34.

Unverändert gestaltungswillig

Als reine Quartettformation haben die Artemis-Mitglieder trotz vielfacher Umbesetzung (nur noch der Cellist Eckart Runge ist Mitbegründer an der Lübecker Musikhochschule von 1989) nicht das Geringste von ihrer sagenhaften Perfektion und ihrem geradezu grimmig ernsten Gestaltungswillen eingebüßt. Schumanns A-Dur-Quartett op.41 Nr. 3 wird analytisch durchdrungen, in allen Schattierungen gedreht und gewendet.

Von Christian Strehk