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Kultur Reise in außergewöhnliche Klangwelten
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16:50 15.04.2019
Von Thomas Richter
Sensibel und authentisch: Mogli im Kieler Orange Club. Quelle: Manuel Weber
Kiel

Der Erste Eindruck:

Wer von der zarten, schönen Frau mit dem Kinderbuch-Namen und der Weltenbummler-Geschichte wohlfeilen Esoterik-Pop mit Ethno-Lagerfeuer-Gedöns  erwartet, der irrt gewaltig. Mehr noch als auf Platte dominieren live tiefe, dynamische, extrem drückende Beats von Schlagzeug, Keyboards und Bass. Moglis hohe, aber klar akzentuierte und trotz ihrer Filigranität kraftvolle Stimme kann sich erstaunlich gut auf diesem Drum'n'Bass-Gerüst behaupten. Zusammen mit den schönen Melodielinien, E-Gitarre, einigen E-Sound-Spielereien und Klavier-Tupfern ergibt sich ein außergewöhnliches Klangbild, dessen Farben am Pult allerdings durchaus etwas sensibler hätten abgemischt werden können.

Die Musik:

Zunächst gab der Singer/Songwriter Plested einen erinnerungswürdigen Eindruck seiner Kunst. Der britische Sänger schrieb bisher vornehmlich Hits für Größen wie Little Mix, Zayn Malik, Emeli Sandé oder The Chainsmokers. Mit Akustik-Gitarre präsentierte er nun selber intime, weiche, sehr emotionale Love-Songs wie etwa „Lost For Words“. 

Mogli, heißt eigentlich Selima Taibi. „Mit elf Jahren hatte ich Dreadlocks, aber auch sonst war ich immer braungebrannt, weil ich gerne draußen war. So sah ich Mogli aus dem Dschungelbuch einfach ähnlich. Und meine Mutter hat mich ab da Mogli genannt“, erzählt die Frankfurterin in einem Interview. Und das Abenteuer-Gen scheint ihr tatsächlich in die Wiege gelegt. Für ihr Debütalbum „Bird“ (2015) bereits mit dem VUT Indie Award als beste Newcomerin des Jahres ausgezeichnet, wurde sie 2017 durch den in  Kinos und auf Netflix ausgestrahlte Film „Expedition Happiness“ weltweit bekannt. Die Songs für den Film, der ihrer Reise von Alaska in den Süden Amerikas dokumentiert, befinden sich auf dem erfolgreichen Album „Wanderer.“ Einige Highlights davon fehlten natürlich auch an diesem Abend nicht. Der wirklich dramatisch-schöne Titeltrack konnte ohne die Erhabenheit der Filmbilder dabei ebenso überzeugen wie „Alaska“, „Milky Eyes“, das beherzt groovende „Waterfall“ oder als erste Zugabe die umwerfende Ballade „Two Lungs“. Dennoch scheinen die Soundtrack-Kompositionen als Bühnenmaterial die Naturgewalt, das Fernweh, die Abenteuerlust, den Reiz des Fremden anders zu spiegeln als auf der Leinwand. Irgendwie zwingender, drängender, schlicht lauter.

Aber die Frau, die direkt nach dem Abitur bei der TV-Castingshow „The Voice of Germany“ teilnahm, hatte noch mehr im Gepäck. Etwa das traumschöne „Another Life“ oder das forsche „Patience“. Letzterer ist Titelsong ihrer brandneuen EP.  Und mit „Echo“, einem für Mogli fast untypisch rockigen Kraftprotz, fand sich auch bisher unveröffentlichtes Liedgut auf der Setlist.  

Das Publikum:

Ließ sich gerne mit auf die Reise nehmen. Feierte, konnte beizeiten aber auch genau hinhören. Einige Fans lauschten mit geschlossenen Augen und übernahmen die weichen wogenden Bewegungen, mit denen Mogli ihren Songs Gestalt gab.  

Was in Erinnerung bleibt:

Ein großartiger Gig mit einer authentischen, hochmusikalischen Künstlerin, die ihre Seele in Songs legt, deren überaus prägnante Live-Arrangements zuweilen kontrapunktisch zur Sensibilität und oft romantischen Bildsprache der Texte stehen. 

Fazit:

Mogli lieferte ein sehr spannendes, facettenreiches, sinnliches und nachhaltiges Konzert-Erlebnis. Möge ihre Abenteuerlust noch lange Bestand haben.

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