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Kultur Wunderharfe aus Elbflorenz
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15:42 14.07.2018
Foto: Bei der wunderbar wallenden und dem Schwerpunkt-Komponisten zusätzlich huldigenden Zugabe, dem ersten Impromptu aus Schumanns vierhändigem Dresdner Zyklus "Bilder aus Osten", hatte Jan Lisiecki (li.) den Dirigenten Sir Antonio Pappano dann sogar neben sich am Klavier.
Bei der wunderbar wallenden und dem Schwerpunkt-Komponisten zusätzlich huldigenden Zugabe, dem ersten Impromptu aus Schumanns vierhändigem Dresdner Zyklus "Bilder aus Osten", hatte Jan Lisiecki (li.) den Dirigenten Sir Antonio Pappano dann sogar neben sich am Klavier. Quelle: Axel Nickolaus
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Ihr Elbflorenz-Meisterwerk, das für Clara 1844/45 in Dresden entstandene a-Moll-Klavierkonzert op. 54, zelebrierte das wohl traditionsreichste Orchester der Musikwelt sogar in Candlelight-Atmosphäre in Perfektion und klanglicher Sinnlichkeit.

Bernstein-Preisträger Jan Lisiecki

Jan Lisiecki, seit 2013 Bernstein-Preisträger und mit guten Gründen gern gebuchter Klavierstar beim SHMF, war dazu der optimale Solist. Sein chopinnahes Schumann-Spiel wogte eher sanft als pompös, blieb überall transparent.

Pappano als Partner

In Antonio Pappano, dem italo-englischen Santa-Cecilia-Star in Rom und Chef an Covent Garden in London, hatte Lisiecki einen maximal hellhörigen, gewandt sekundierenden Partner am Dirigentenpult.

Mitteldeutsche Orchesterfarben

Die Staatskapelle machte ihrem von Richard Wagner verliehenen Titel „Wunderharfe“ gerade auch in Sergej Rachmaninows ebenfalls in Dresden entstandener e-Moll-Symphonie op. 27 alle Ehre. Unter Christian Thielemann scheint es vollständig gelungen, die nie grelle mitteldeutsche Orchesterfarbe, mal aufbrausend pastos, mal durchsichtig aquarelliert, weiter zu kultivieren.

Erstmals beim SHMF zu Gast: Londons Opernchef

Pappano rief diese enormen Qualitäten, die etwa sportiv-glatte Rundfunkorchester und derzeit sogar die Berliner Philharmoniker blass aussehen lassen, in wogenden Wellen ab. Wie da Bläser und Streichersektionen zu einer jeweils eigenständigen Farbe verschmolzen, Ein-, Über- und Ausblendungen in Rachmaninows opulenter Partitur gelangen, die Solo-Klarinette das Adagio gestaltete, alle tiefen Instrumente das Spektrum grundierten, war schlicht Weltklasse. Entsprechend begeistert reagierte das Publikum.

Von Christian Strehk

14.07.2018
Thomas Bunjes 14.07.2018
Konrad Bockemühl 14.07.2018