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Kultur Rossini-Messe mit Drive und Attacke
Nachrichten Kultur Rossini-Messe mit Drive und Attacke
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06:10 10.07.2019
Universitätsmusikdirektor Bernhard Emmer
Universitätsmusikdirektor Bernhard Emmer Quelle: Marco Ehrhardt
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Kiel

Die gar nicht so „kleine“ Petite Messe Solennelle des gealterten Gioacchino Rossini erfreut sich anhaltender Beliebtheit, schon weil ihre Urfassung auf ein kostspieliges Orchester zugunsten der aparten Kombination Klavier-Harmonium verzichtet. Diese pittoreske Besetzung (Vokalsolisten, Doppelquartett, Klavier(e) plus Konzertharmonium) hatte ihre Ursachen im Ort ihrer erfolgreichen Uraufführung, die 1864 in der intimen Privatkapelle des Grafen Pillet-Will zu Paris stattfand.

Perfekt präparierte Studentenkantorei

Bernhard Emmer und seine einmal mehr perfekt präparierte Studentenkantorei stürzten sich in der Ansgarkirche mit Verve und Musizierlaune in die funkelnde Musiksprache des listigen Genies aus Pesaro, der in seiner traditionell aufgebauten, ausladenden „petite“ Messe munter die süffige Kantilenen-Seligkeit seines erprobten Opernstils mit der Polyphonie der Bach‘schen Kirchenmusik mixte.

Feine a-cappella-Passagen, akkurate Fugen

Da bewältigte der groß besetzte Doppelchor feine a-cappella-Passagen in klanglicher und intonatorischer Geschlossenheit und wusste den kontrapunktischen sowie allerlei heiklen Fugatis mit Akkuratesse und federnder Leichtigkeit zu begegnen. Das homogen agierende Solistenquartett (Mechthild Bach, Sopran; Anne-Beke Sontag, Alt; Fred Hoffmann, Tenor; Jörg Sabrowski, Bass) enthielt sich dabei jeder steifen Oratorienwürde und gestaltete seine der italienischen Operntheatralik verwandten Mess-Passagen mit belkanteskem Schmelz und mitreißender Intensität.

Klavier und Harmonium

Dazu übernahm Elisabeth Maranca am Flügel mit Aplomb den Orchesterpart, während ihr Kollege Andreas Karthäuser auf einem im 19. Jahrhundert beliebten Konzertharmonium reizvoll-schnarrende Kontrastfarben beimischte. Bernhard Emmer hatte seinerseits keine Mühe, seine allesamt bestens aufgelegten Musiker zu Drive, Italianitá und theatralischer Attacke zu animieren, was der zwischen versammeltem Sentiment und luzider Spritzigkeit pendelnder Musik Rossinis bestens bekam. Rossini hatte sich als Honorar vom lieben Gott einen Platz im Paradies gewünscht – von dort dürfte er wohlgefällig dieser Aufführung gelauscht haben …

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Von Detlef Bielefeld

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