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Kultur "Die Toten Hosen": Campino und die Chamäleon-Band
Nachrichten Kultur "Die Toten Hosen": Campino und die Chamäleon-Band
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18:16 11.06.2009
Kiel

Unter „Hey ho, let's go“-Rufen der Ramones joggt Campino in Jeans und gestreiftem Sweatshirt auf die Bühne. Er, der 46-jährige Vorzeige-Punk, der in seriöse Talkshows eingeladen wird und sich gerne als Rebell zum Anfassen präsentiert. „Seid ihr bereit für einen lauten Abend?“, ruft er ins weite Rund. Eine rhetorische Frage, zumal die „machmalauter“-Tournee das Motto quasi vorgibt.

Zuvor hatten die Donots aus Ibbenbüren das gemacht, was eine Vorband der Toten Hosen machen muss: Nicht lange quatschen, manierlich die Halle rocken (namentlich bei Whatever Happened To The 80s und We're Not Gonna Take It) und Komplimente an die Headliner verteilen: „Sexiest Band, die je aus Düsseldorf kam.”

Mit den Namen Andreas Frege, Andreas von Holst, Michael Breitkopf, Andreas Meurer und Stephen George Ritchie weiß so niemand etwas anzufangen - dagegen avancierten sie als Campino, Kuddel, Breiti, Andi und Vom zu einer der beliebtesten Bands der deutschen Rockliga, ausgehend vom 1983er-Album Opel-Gang über die weiteren Stationen

Ein kleines bisschen Horrorschau (1988) und Opium fürs Volk (1996) bis zur aktuellen Platte In aller Stille. Mit „SingStar Die Toten Hosen“ lassen sich die Lieder jetzt sogar auf der Playstation nachsingen.

Vielleicht rührt daher die Textsicherheit der Fans, weniger beim neuen Material, dafür umso verstärkt bei den Standards Alles aus Liebe oder

Paradies. Selbst die englischsprachigen Cokane In My Brain und

Pushed Again werden meist Wort für Wort mitgegrölt. Musikalisch überzeugender dagegen Liebesspieler, Wünsch Dir Was oder Hier kommt Alex, wenn Gesang und Textinhalt und Instrumente im Einklang agieren. In diesen Momenten rotiert Campino mit dem Mikroständer, jagt zwischen seinen unauffällig-soliden Kollegen von einer Bühnenseite zur anderen, berauscht und charismatisch zugleich. Zwei Wasserduschen für die ersten Reihen, eine für sich und den trainierten Oberkörper.

Die uninspirierte Fremdgeh-Story Bofrost-Mann oder Spaß-Punk im Stile von La Bamba, 10 Kleine Jägermeister mit hüpfenden Strandbällen oder die obligatorische FC-Bayern-Watschen wirken überflüssig. Und die Strapazen der langen Tour sind Campinos rauer Stimme schon deutlich anzumerken.

Bei der einfühlsamen Ballade Nur zu Besuch wird Campino auf den beiden großen seitlichen Leinwänden, die neben Live-Mitschnitten noch Licht- und Graphikinstallationen zeigen, so geschickt schwarz/weiß in Szene gesetzt, dass man denken könnte, er wische sich Tränen aus dem Gesicht. Aber es ist wohl doch nur Schweiß. Hart erarbeiteter Schweiß, der in langen Zugabenblöcken nach Schönen Gruß auf Wiedersehen die ganze Wandelbarkeit der Toten Hosen zelebriert: Zum einen die Machmaleiser-Unplugged-Phase mit „echten“ Musikern (Raphael am Cello, Esther am Piano), dem Clash-Cover Guns of Brixton oder Eisgekühlter Bommerlunder, das aus einer Barjazz-Interpretation in den gewohnt hibbeligen Schlussteil mündet.

You'll Never Walk Alone schließlich versinkt im Konfettiregen und einem tausendfachen Chor. Hier gilt: Toten Hosen bis zum bitteren Ende - die Musiker selbst haben auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof eine Grabstätte für 17 Personen gemietet, in der sie nach ihrem Ableben beerdigt werden wollen.

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