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Kultur Neue Songs, alte Hits und HSV-Stichelei
Nachrichten Kultur Neue Songs, alte Hits und HSV-Stichelei
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18:40 16.08.2018
Foto: Campino legt sich ordentlich ins Zeug beim Hamburger Hosen-Konzert, und seine Jungs gehen mit.
Campino legt sich ordentlich ins Zeug beim Hamburger Hosen-Konzert, und seine Jungs gehen mit. Quelle: Jazzarchiv
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Hamburg

Die psychedelisch anmutende Totenschädelgrafik des Albumcovers flattert samt Animationsfilm über die Großbildleinwand, dann entern die unverwüstlichen Haudegen die Bühne. „Wir kommen aus Düsseldorf und gehören zur Opel Gang“, leitet ein sichtlich aufgekratzter Campino die fulminante Rocksause ein. Wie auf Kommando werden überdimensionale Fußballfahnen im Innenraum geschwenkt. Natürlich geht es an diesem Abend auch immer wieder um den Fußball, kleine Spitzen gegen den abgestiegenen HSV inklusive. „Ihr seid nicht mehr unter den Top 10 der liebenswertesten Städte und ich hab gehört, ihr seid auch nicht mehr in der Bundesliga“, feixt der 56-Jährige, legt sich demonstrativ auf den Boden und empfiehlt das musikalische Gegenmittel: "Steh auf, wenn du am Boden bist".

Die Hosen reihen Hit an Hit

Der schier unerschöpfliche Hitreigen aus 35 Jahren lässt den Düsseldorfern den Freiraum für die gewünschte Dramaturgie. Ob "Bonnie und Clyde", "Wünsch dir was", "Altes Fieber", die Anti-Neonazi-Hymne "Sascha" oder "Hier kommt Alex", bei dessen Zeile „Irgendwann platzt jeder Kopf“ man einst ungläubig zusammenzuckte, bis man die Anlehnung an Stanley Kubricks "Clockwork Orange" und den marodierenden Protagonisten Alex verstand.

Eine Stunde lang gibt's Zugaben

Nach der ersten Verabschiedung von der Bühne regt sich kaum Protest. Allzu klar scheint, dass Kuddel, Breiti, Campino und Co mindestens eine weitere Stunde Zugaben geben. Genauso ist es dann auch. Zu "Halbstark" wird ein selbstironischer Clip gezeigt, eine Geigersektion spielt auf, geht im gewohnt brachialen Stadionsound jedoch unter. Am Ende darf natürlich auch "Tage wie dieser" nicht fehlen.

"You'll Never Walk Alone" zum Finale

„Das war unser 39. Konzert in Hamburg – die 50 machen wir noch voll“, kündigt ein leidlich abgekämpft aussehender Campino schließlich an. Nach Iggy Pops "The Passenger" und der Fußballhymne "You’ll Never Walk Alone" ist dann nach fünf schweißtreibenden Stunden Rockentertainment (Support-Bands mitgerechnet) erst mal Schluss mit der Laune der Punkrocknatur.

Von Alexander Bösch