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Kultur Benjamin Reiners will sich was trauen
Nachrichten Kultur Benjamin Reiners will sich was trauen
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09:00 09.10.2019
Von Christian Strehk
Luise Kautz und Benjamin Reiners bringen Korngolds frühes Meisterwerk "Die tote Stadt" nach 1992 und 1997 zurück nach Kiel. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Zurzeit bemüht sich Kiels GMD Benjamin Reiners, in der allemal „sinfonisch überfrachteten Partitur“, die aber weit mehr sei „als ein Konglomerat von Strauss- und Puccini-Klängen“, Durchhörbarkeit herzustellen. „Ich lasse aber im Gewebe mit Harfen, Celesta, Orgel und Harmonium sowie tiefen Glocken nichts weg. Man kann in dieser Oper nun mal nicht jedes Wort verstehen.“ Reiners begeistert aber die Filmmusik-Opulenz, auch der „kalkulierte Kitsch“ der Operetten-Anklänge.

Die tote Stadt

Der Witwer Paul kann den Tod seiner Frau Marie nicht verwinden. Umgeben von zu Reliquien erhobenen Erinnerungs­stücken lebt er in einer "Kirche des Gewesenen". Doch ein Tag ändert alles: Paul begegnet Marietta, einer Doppelgängerin seiner Frau, das gleiche Haar, das gleiche Lachen und: die gleiche Stimme! Wird sein "Traum der Wiederkehr" wahr?

Erich Wolfgang Korngold war gerade einmal 23 Jahre alt, als er mit "Die tote Stadt" seinen größten Opernhit schrieb. Schon dessen doppelte Uraufführung in Hamburg und Köln im Dezember 1920 wurde bejubelt. Zwischen Spätromantik und Expressionismus balancierend, bietet Korngold einen Klangrausch ohnegleichen: grotesk-rauschhafte Tänze, in Glockenklänge eingebettete Prozessionen, und echte Ohrwürmer wie "Glück, das mir verblieb" oder "Mein Sehnen, mein Wähnen, es träumt sich zurück".

Regie führt Luise Kautz

Die 1987 in Bonn geborene Regisseurin Luise Kautz hat beobachtet, dass Musiktheater mit symbolistischen Vorlagen häufig entweder mit noch mehr Symbolen und Verfremdungen überfrachtet oder ganz nüchtern entzaubert werde. Sie möchte einen Mittelweg einschlagen: „Wichtig ist mir, den psychologischen Gehalt hinter den symbolistischen Bildern zu verstehen.“

Die Zeit vor und nach der Uraufführung im Jahr 1920 bringe als Gegenpol zur Technisierung der Welt eine gewisse Mystik zurück. Aber die Vorgänge um den Witwer Paul, der halb im Wahn oder im Traum in der Schauspielerin Marietta seine verlorene Marie zurückgewonnen wähnt, sei aber zeitlich universell und werde durch allzu konkrete Bezüge gar politischer Art eher problematisch überlagert als transparent gemacht.

Die tote Stadt in Kiel, Tristan in Mannheim

Kautz, die Musiktheaterregie in Hamburg studiert hat, ist im Genre mit Debussys Pelléas et Mélisande (Nationaltheater Mannheim) und Dvoráks Rusalka (Staatstheater Darmstadt) schon sehr erfahren. Mit Wagners Tristan hat sie in Mannheim in der laufenden Saison noch ein gewichtiges Werk zwischen Tag- und Nachttraum zu gestalten. Dass sie beim von ihr verehrten Stefan Herheim Eindrücke sammelte, ist bestimmt hilfreich.

Kautz nimmt die Figur des Paul in den Fokus

Die Figur Paul hat sie im Fokus, zeigt seine Wohnung auf der Vorbühne und eine mystisch mondlichtige Parklandschaft im domestizierten Brügge als seine innere Maschinerie dahinter. Dabei misstraut Kautz der entlastenden Flucht in einen Traum: „Er ist ja von Anfang nicht recht Teil der Realität, sondern aktiv auf der Suche, sich zu befreien. Das Ende bleibt bei uns düster: Es reift die Erkenntnis, dass er nur im Tod mit den Toten vereint sein kann.“

Premiere am Theater Kiel

Die Daten der Kieler Korngold-Premiere

Premiere „Die tote Stadt“ an der Oper Kiel am So 13. Oktober 2019, 17 Uhr. Karten: 0431 / 901 901. www.theater-kiel.de

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Christian Strehk 08.10.2019